Es geht um die letzten Sekunden: Renault und Seat kämpfen um den Rekord am Nürburgring. Beide Hersteller bringen ihre Bestzeit-Autos jetzt in Serie.
Nürburgring – Nach außen gibt sich Seat gelassen. Der Konzern gratuliert dem Konkurrenten Renault zu seinem Triumph. So wie es ein guter Verlierer tut. Das Ergebnis ist knapp, aber eindeutig: Der Mégane R.S. Trophy umrundete die Nordschleife vier Sekunden schneller als der Seat Leon Cupra 280. Damit geht der Rekord für frontgetriebene Fahrzeuge auf dem Ring nach nur drei Monaten zurück nach Frankreich. Zu dem Hersteller, der ihn bereits drei Jahre lang gehalten hat. Doch rund um den Ring vernimmt man Gerüchte: Renault sei mit einem Prototypen gefahren, nicht mit einem Serienauto. Mit anderen Reifen und weniger Gewicht. Womöglich sogar mit mehr Leistung. Es sind die gleichen Gerüchte, die Zweifler auch nach der Rekordfahrt des Leon Cupra im März streuten. Sie stimmen in beiden Fällen nur zum Teil. Renault Mégane R.S. Trophy-R 275: Rekord auf der Nordschleife Zusätzlich haften straßenzugelassene Semi-Slicks von Michelin besser am Asphalt. 350-Millimeter-Bremsscheiben fangen den Renault schneller ein. Wie viel diese Rennversion des Mégane R.S. Trophy kostet, verrät Renault noch nicht. Nur, dass der 1,3 Tonnen schwere Mégane ab September 2014 verkauft wird und auf 250 Exemplare limitiert ist. Seat Leon Cupra 280: Nordschleifen-Version für 3.060 Euro AufpreisAuch Seat modifiziert seinen Leon für die Hatz durch die Grüne Hölle. Fahrwerk, Motor und Innenraum bleiben unangetastet. Dafür bekommt der schnellste Cupra 37 Zentimeter große Bremsscheiben mit Brembo Vierkolben-Festsätteln, leichtere Felgen und die gleichen Semi-Slicks wie der Renault. Seine breitere Schwellerverkleidung dient nur der sportlicheren Optik. Prestige für den ProspektRenault und Seat versprechen hoch und heilig, die Rekordzeiten mit Serienleistung gefahren zu sein. Wir vermuten aber, dass es sich zumindest um Motoren mit einer, sagen wir „günstigen Serienstreuung“ handelte. Bleibt die Frage, was der Käufer von den tollen Nordschleife-Zeiten im Prospekt hat? Den Respekt des Ampelnachbarn? Oder die Gewissheit, dass das eigene Auto schneller um den Ring fährt, als der Fahrer lenken kann? Wir haben das am Beispiel des Leon Cupra auf der Nordschleife ausprobiert. Im Leon Cupra durch die grüne HölleDer Leon Cupra reagiert neutral auf Vorstöße in Richtung Grenzbereich. In schnellen Kurven schiebt er über alle vier Räder; ein Untersteuern spürt lediglich, wer es darauf anlegt. Das mechanische Sperrdifferenzial verteilt die Kraft optimal auf beide Antriebsräder, nur wenig Drehmoment verschwindet im Gummi-Rauch. Nach einer geführten, flinken Runde mit dem kaum Nordschleifen-erprobten Redakteur am Volant zeigt der Lap-Timer im Leon eine Zeit knapp unter zehn Minuten – obwohl die Geschwindigkeit im Streckenabschnitt Pflanzgarten derzeit wegen Bauarbeiten auf 70 km/h begrenzt ist. Nur wenige Leon Cupra- oder Mégane-R.S.-Besitzer werden ihr Auto tatsächlich auf der Nordschleife testen. Wir finden es aber großartig, dass die Hersteller ihren Kunden fertig abgestimmte Fahrzeuge anbieten. Das erspart Hobby-Rennfahrern viel Stress bei Polizeikontrollen und beim TÜV. Und fährt auf der Nordschleife viel besser, als man einem Kompaktwagen zutrauen würde. Einen Fahrbericht zum Mégane R.S. Trophy 275 lest Ihr hier. Quelle: MOTOR-TALK |
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