Audis Elektrosportler R8 e-tron bleibt ein Versuchsobjekt. Alternativ angetriebene Ingolstädter fahren künftig mit Erdgas und als Plug-In-Hybrid-Technik. Wo führt das hin?
Ingolstadt – Audi. Das war mal TDI, Fünfzylinder, Quattro und Leichtbau. Der Vorreiter in Sachen Technik. Den Wechsel vom Biedermann der 70er-Jahre haben sich die Ingolstädter mühsam erarbeitet. Audi galt spätestens in den 80er-Jahren als mutiger Hersteller mit Hightech unterm Blech. Und heute? Von dem Slogan „Vorsprung durch Technik“ ist nicht mehr viel übrig. Vor allem, wenn man sich die aktuelle Modellpalette anschaut. Okay, die Autos sind State of the art, aber bahnbrechende Plug-In-Hybride statt Elektro-AutosDennoch haben sich die Ingolstädter von der Elektromobilität verabschiedet. Der vorher mit viel Tamtam angekündigte Supersportler R8 e-tron und der Kleinwagen A1 e-tron werden nicht gebaut. Zu teuer, zu unwirtschaftlich, heißt es. Die Akkus seien schuld. Bei der Preisgestaltung seien die Marketing-Strategen von einem wahren E-Boom und damit fallenden Akku-Preisen ausgegangen: Der ist aber nicht eingetreten. Damit fährt der Fünftürer theoretisch 50 Kilometer weit elektrisch, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 130 km/h limitiert. Wer schneller (bis zu 222 km/h) oder weiter fahren will, nutzt den sich automatisch zuschaltenden Benziner. Öko kann also Spaß machen. Vorausgesetzt, die Kunden sind bereit rund 38.000 Euro zu zahlen. Ein sparsamer 150 PS-Diesel mit DSG kostet fast 10.000 Euro, der 1.8-TFSI mit 180 PS noch rund 8.000 Euro weniger. Viel Geld für viel Sprit. Weniger Kofferraum für lautloses Fahren Die Alltagstauglichkeit wird beim Plug-in allerdings eingeschränkt: Die Batterie sitzt unter dem Rücksitz, der Tank hinter der Hinterachse, so dass das Kofferraumvolumen nur von 380 Liter auf 280 Liter schrumpft – ein Toyota Prius Plug-in (ab 36.550 Euro) hat 443 Liter, der Volvo V60 Plug-in (58.710 Euro) noch mindestens 305 Liter. Die Ladeeinheit mit zwei Steckern (Haushalt und Industrie) soll für einfache Bedienung (hinter dem Logo vorne) und schnelles Laden sorgen. Nach zwei bzw. 3,5 Stunden ist der Akku voll geladen. Den Status kann man künftig über das Smartphone prüfen. Damit auch das Gewissen wirklich grün bleibt, will Audi auch optional einen Stromvertrag mit Ökostrom aus regenerativer Energie anbieten. Audi A3 g-tron: 1.300 Kilometer Reichweite Die Produktion des künstlichen Kraftstoffs ist vorerst für 1.200 Fahrzeuge ausgelegt. Audi hat nicht nur Privatkunden im Visier, sondern auch Flottenmanager: Mit einer Reichweite von 400 Kilometern mit Gas und 900 Kilometern mit Benzin fährt der g-tron weiter als ein A3 Diesel. Allerdings verbraucht der g-tron in dieser Rechnung 50 Liter Benzin und 14 Kilogramm Erdgas – ein Diesel trinkt auf der gleichen Strecke etwa 53 Liter Kraftstoff. Stecker gezogen: Audi R8 e-tron Das hat oder hätte seinen Preis. Audi sagt zwar nicht, was der Elektroflitzer gekostet hätte, doch unter einer Millionen Euro hätte sich das Projekt nicht gerechnet. „Wir wollen nicht, dass Kunden von A1 oder A3 unser Leuchtturmprojekt finanzieren“, sagt ein Sprecher. Deshalb zogen die Marketingleute die Reißleine und vergeben einen deutlichen Vorsprung bei der Elektrotechnik – während andere Hersteller lautlos ihre Bahnen ziehen. Andere Prioritäten in IngolstadtEntwicklungsziele scheinen derzeit andere zu sein. Mit einem „modularen Infotainment-Baukasten“ reagiert Audi auf die immer kürzeren Entwicklungszeiten bei elektronischen Bauteilen. So können Navigations- und Soundsystem alle paar Jahre problemlos auf den neuesten Stand gebracht werden. Der MIB trennt künftig Hard- und Software und soll in allen Baureihen Platz finden. Für Smartphone-Besitzer mit ihren Multifunktionsgeräten ist das nur ein schwacher Trost.
Quelle: MOTOR-TALK |
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