VW Touran 2015: Erster Test, Motoren, Preise
Der Touran bleibt eine Frage der Vernunft
Auftrag an die Entwickler beim neuen Touran: Alles neu, aber bitte nicht anders. Entsprechend gilt im 13 Zentimeter gewachsenen Van ein Überraschungsverbot. Erste Fahrt.

Quelle: Volkswagen
Amsterdam – Alles neu beim VW Touran: Mehr Platz, mehr Blech, mehr Komfort, mehr Konnektivität, mehr Technik, neue Plattform. Alles richtig, alles da. Aber, mal ernsthaft, VW: 370 Euro Aufpreis für Rückbank-Seitenairbags im funkelnagelneuen Touran? Ist das die Benchmark in Sachen Familienauto?
Diese Kleinigkeit, die für Eltern keine ist, irritiert an VWs neuem „Kompakt-Derivat“. Dabei ist der neue Touran doch, genau wie der alte, vor allem eines: verdammt vernünftig.

Quelle: Volkswagen
Einen Van wie den Touran kauft niemand wegen geiler Performance oder für seinen urbanen Lifestyle. Aber durchaus, weil weiterhin drei Kindersitze hineinpassen oder 700 Kilo zugeladen werden dürfen. Oder weil man 15 Zentimeter höher sitzt als im Golf. All das ist vielleicht nicht „geil“, auch nicht neu beim Neuen, aber vielen Autokäufern wichtig.
VW Touran 2015: Die Motoren im Überblick
- 1,2-l-Turbobenziner, 110 PS, ab 23.350 Euro
- 1,4-l-Turbobenziner, 150 PS, ab 30.075 Euro
- 1,8-l-Turbobenziner, 180 PS, n.n. bestellbar
- 1,6-l-Diesel, 110 PS, ab 26.325 Euro
- 2,0-l-Diesel, 150 PS ab 30.075 Euro
- 2,0-l-Diesel, 190 PS, n. n. bestellbar
Vorn überblickt der Fahrer das Verkehrsgeschehen, in der zweiten Reihe bieten drei breite, in der Lehnenneigung und längs um 20 Zentimeter verstellbare Sitze viel Platz in alle Richtungen. Selbst auf dem Mittelplatz stört kein wuchtiger Mitteltunnel. Anders als bisher sind die Sitze nicht mehr herausnehmbar. Stattdessen bilden sie schnell, einfach und serienmäßig eine ebene Ladefläche. „Fold Flat“ nennt VW das System. Leider lässt es sich nicht vom Kofferraum aus bedienen.
Sogar ganz hinten können Erwachsene auf kurzen Strecken kauern, wenn der Vordermann etwas Fußraum abgibt. In siebensitziger Konfiguration verbleiben zwar nur 137 Liter Kofferraum. In allen anderen Konfigurationen kann man gleich für den ganzen Monat einkaufen. Wer den Beifahrersitz umklappt, lädt bis zu 2,70 Meter lange Regalbretter.
Cockpit: Überraschungen verboten
Das neue Cockpit kleidet VW umfassend mit unterschäumtem Kunststoff aus, die Mittelkonsole schmücken Chrom und Klavierlack. Dagegen sieht der Vorgänger aus wie ein Lkw, aber der Konzernbaukasten bietet schönere Cockpits.
Quelle: Volkswagen
Beim Thema Ergonomie gilt bei VW: Überraschungsverbot. Der Kunde soll alles dort vorfinden, wo er es vermutet. Daher gibt es keine Bedienprobleme – kennst Du einen, kannst Du alle fahren.
Kompliziert wird es höchstens bei Bordcomputer, Assistenten und Infotainment. Da wird der Touran zum Riesenspielzeug, wenn die „richtigen“ Kreuzchen gesetzt wurden. Für Papi gibt es einen adaptiven Abstandstempomaten, LED-Scheinwerfer, Massagesitze (880 Euro) und eine Kinder-Beobachtungsfunktion per Go-Pro-Kamera. Der Nachwuchs darf per Tablet oder Smartphone vom Rücksitz aus die Musik bestimmen oder das Navi programmieren – via Apple Carplay oder Android Auto. USB und Bluetooth sind natürlich vorhanden, gegen Aufpreis auch ein WLAN-Hotspot.
Diesel, die wie Diesel klingen
Überraschungsverbot gilt auch bei der Frage, wie der neue VW Touran fährt. Die serienmäßige elektrische Parkbremse löst beim Anfahren von allein. Wir testen die Dieselvarianten mit 110 und 150 PS. Beide Motoren dürfen noch wie Diesel klingen, oder, anders formuliert: Im Vergleich zu neueren Aggregaten der Konkurrenz fehlt ihnen wahlweise Laufruhe oder Dämmmaterial.
Wer mit dem 1,6-Liter-Diesel im unteren Drehzahlbereich startet, etwa an der Ampel, braucht mitunter Geduld, bis der Turbolader mitschiebt. Aber: Mit einem Touran fährt sowieso niemand Ampelrennen. Das passt einfach nicht zum gutmütigen Charakter dieses gut, aber nicht zu weich gefederten Reisekoffers.
Lieber lenkt man den Touran mit Engelsgeduld durch enge Straßen und freut sich daran, wie gut das funktioniert. Man sieht die Motorhaube vor sich enden, und im Rücken gibt eine riesige Heckscheibe den Blick frei auf Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Die etwas nervösen Parkpiepser (serienmäßig ab „Comfortline“) könnte man da fast entbehren.
Quelle: Volkswagen
Nicht so nackt, die Basis
Reden wir über Geld. Noch so ein Punkt, wo der VW Touran nicht überrascht. Das Klischee stimmt: Auch dieser VW kostet etwas mehr als der Wettbewerb. Die Basisversion mit 110 PS kostet 23.350 Euro. Zum Vergleich: Ein Opel Zafira (120 PS) startet bei 21.950 Euro, ein Ford Grand C-Max mit 125 PS steht für 21.450 Euro in der Preisliste.
Auf dem Papier steigt der Preis des VW Touran gegenüber dem Vorgänger in der Basis um 100 Euro, für einen 150-PS-Diesel mit Comfortline-Ausstattung zahlt man 75 Euro mehr als bisher. Immerhin: Ein Basis-Touran ist keine triste Blechhöhle. Serienmäßig an Bord sind zum Beispiel Klimaanlage, Radio, Start-Stopp-Automatik, drei Einzelsitze hinten, das „Easy Fold“-System und sogar eine Müdigkeitserkennung.
Bezahlen lässt sich VW dagegen modernes Infotainment, die allergiefreundliche „Pure Air“-Klimaautomatik (510 Euro), eine Sprachverstärkung von vorn nach hinten (215 Euro), den Anhänger-Assistenten (515 Euro) oder die dritte Sitzreihe (770 Euro). Alles ok. Nur: 370 Euro Aufpreis für Seitenairbags hinten?
VW Touran: Technische Daten
Modell: VW Touran 1.2 TSI
- Motor: 1,2-l-Vierzylinder-Benziner
- Getriebe: Sechsgang manuell
- Leistung: 110 PS (81 kW)
- Drehmoment: 175 Nm
- 0-100 km/h: 11,8 s
- Höchstgeschwindigkeit: 189 km/h
- Verbrauch: 5,6 l/100 km
- CO2: 128 g/km
- Länge: 4,53 m
- Breite: 1,83 m
- Höhe: 1,66 m
- Radstand: 2,79 m
- Leergewicht: 1.436 kg
- Zuladung: 699 kg
- Anhängelast: 1.600 kg (gebremst, 8% Steigung)
- Kofferraum: 743-1.980 l (Fünfsitzer)
- Grundpreis: 23.350 Euro
- Marktstart: September 2015
Modell: VW Touran 2.0 TDI
- Motor: 2.0-l-Vierzylinder-Diesel
- Getriebe: Sechsgang-manuell (alt. XY Doppelkupplungsgetriebe)
- Leistung: 150 PS (110 kW)
- Drehmoment: 340 Nm
- 0-100 km/h: 9,3 s
- Höchstgeschwindigkeit: 208 km/h
- Verbrauch: 4,5 l/100 km
- CO2: 118 g/km
- Leergewicht: 1.552 kg
- Zuladung: 703 kg
- Anhängelast: 2.000 kg (gebremst, 8% Steigung)
- Kofferraum: 137-1.857 l (Siebensitzer)
- Grundpreis: 30.957 Euro
- Marktstart: September 2015
Auch interessant: Die VW-Studie Budd-E, ein elektrischer Minivan.
Das ist mit Sicherheit ein grundsolides und super vernünftiges Auto. Aber dass das ein neues Modell ist, hätte ich jetzt auf den ersten Blick nicht erkannt...
Langeweile in Perfektion.
Der neue Touran,
ist doch ein Auto für Familien und ein Van. ich finde die klare Positionierung als solches sehr gut. Persönlich bin ich auch der Meinung das er sehr gut aussieht, und ein ganz schön tolles und komplettes Package bei minimalster Preissteigerung bietet. Warum soll ein Van sportlich sein? Ist der BMW 2er Grand Tourer etwa gelungen weil er versucht einem hässlichen Van Sport zu verordnen, wäre das dem Redakteur lieber gewesen?
Ich finde, ein tolles Design, ein gutes Produkt und der Preis ist auch vertretbar. Auch ohne Kinder und Hund würde ich dieses Auto, mit Sportfahrwerk und 18" Rädern, kaufen und den vielleicht besten Allrounder bekommen.
Du sagst es. 😮
@Golf_Bilbao_WOB
....sagt der VWler aus Wolfsburg 😊
Jup. Aber ist die Familie erst mal da und der Geldbeutel nur semivoll, dann ist das doch auch tolles Auto. Da will man was solides und praktisches mit guter Qualität, nichts Aufregendes. Das kann VW einfach.
Sehr schönes und gelungenes Fahrzeug. Für mich deutlich ansprechender als die Konkurrenz.
Werd ich mir sicher wieder als Firmenwagen holen. Bin mit meinem jetzigen, süßer 1.2TSI und immerhin gute 80.000km auf der Uhr sehr zufrieden.
Die Entscheidung zu diesem Motor ist bewusst gefallen, vorher fast immer PS Starke Fahrzeuge gehabt, mit dem kleinen TSI habe ich mich während der beruflichen Fahrten angenehm entschleunigt 😆
Privat darf´s dann gern ein bisschen schneller sein 😉
Gut finde ich, dass man die Sitze für den ebenen Ladeboden dann nicht mehr ausbauen muss.
Und mehr als der kleine TSI wird´s auch beim nächsten nicht!
Schöner Artikel, gutes und ausgereiftes Familienauto. Der Finger wurde genau in die richtige Wunde gelegt: : Hintere Airbags gegen Aufpreis bei einem Familienauto sind völlig daneben!
Und wem's zu langweilig ist, der kann ja öfter mal Geisterbahn fahren oder sich einen neuen Lexus kaufen und sich am Kopfschütteln der Passanten laben!😎
Mir gefällt er. Und ich glaube, im Straßenbild wird man ihn leicht als neuen Touran erkennen. Durch die größere Länge wirkt er doch etwas gestreckter. Etwas kantiger ist er auch geworden.
VW tut gut daran, in der Formgebung keine zu großen Sprünge zu machen, weil dadurch das alte Modell nicht wirklich "alt" aussieht.
Familienkutschen müssen nicht aufregend sein. Sie müssen praktisch, zuverlässig und kostengünstig sein.
Ich bin mir nicht ganz sicher, wo VW hin will mit dem Touran. Wenn ich einen 7-Sitzer brauche, greife ich zum Sharan. Da muss der Touran nicht 13cm länger werden. Der war als 5-Sitzer lang genug.
Für mich sieht das danach aus, das bei der nächsten Überarbeitung der Sharan weg fällt. Was schade wäre.
Den Rahmenlosen Innenspiegel hat bereits der Volvo XC90 II - Also keine VW "Neuerung" sondern einfach eine die ein Zulieferer gebracht hat und Volvo als erstes implementiert.
Habe mir damals in 2003 den neuen Touran mit dem 136PS-TDI gekauft, hat heute rund 200tkm und fährt im Bekanntenkreis noch immer. Listenpreis für die Trendline-Version war damals 24'750 Euro, heute >30k, teuerungsbereinigt geht dies jedoch in Ordnung.
Was gibt's neues und relevantes für den VW-Kunden in 12 Jahren? Etwas Evolution im Design, BMT, LED statt Xenon, USB-Anschluss, Blauzahn sowie optional mehr Assistenten und einigermassen zeitgemässes aber teures Infotainment. Dafür kann man die Sitze in der 2. Reihe nicht mehr ausbauen, m.E. ein Unding beim Touran. Und für was werden die nochmals 13cm mehr Aussenlänge verwendet? Die nur 4.39m Aussenlänge (2003) in Relation zum gebotenen Platzangebot war ein tolles USP.
Wenn ich mir so anschaue, was in anderen Industrien in 12 Jahren abging ... die VW-Kunden scheinen mit wenig zufrieden zu sein.
Das reden die Ehefrauen ihren Männern ein, ja. 😆