Oldtimer als Wertanlage
Gegen alte Autos sehen Aktien alt aus
Wer sein Auto liebt der ... hegt und pflegt es über viele Jahrzehnte. Aber nicht immer. Oldtimer eignen sich auch als knochentrockene Wertanlage. Lest, was es dabei zu beachten gilt.
Am 10. April beginnt die Techno-Classica-Messe in Essen. Kein Treffen alternder Plattentellerdreher wie Westbam oder Marusha. Sondern eine Börse für Liebhaber, Anbieter und Interessenten von feinem, alten Blech. Die Hersteller wissen, wie wichtig Traditionspflege fürs Image ist. Darum stehen auf der Messe Schätze, die sonst in Lagerhallen und Werksmuseen ruhen.
Doch nicht jeder Oldtimer-Besitzer hält einen Klassiker aus purer Blechliebe. Zunehmend werden alte Autos als Wertanlage gekauft. Stahl und Chrom sind wertbeständiger als Gold, Silber, Aktien oder Immobilien – wenn man gut einkauft.
Während Analysten mahnen, dass keine Geldanlage mehr wirklich sicher ist, können sich Oldtimer-Händler vor Anfragen kaum retten. Historische Fahrzeuge bieten Schutz vor Inflation und versprechen steigende Rendite. Da originale Oldtimer nicht mehr nachgebaut werden, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Bei bestimmten Modellen klettern die Preise beachtlich.
Immer mehr Klassiker unterwegs
Die Anzahl historischer Autos in Deutschland steigt. Derzeit fahren über 231.000 Klassiker mit einem Alter von mehr als 30 Jahren auf deutschen Straßen, meldet der Verband der Automobilindustrie (VDA) – ein Zuwachs von elf Prozent zum Vorjahr. 65 Prozent dieser Autos kommen aus deutscher Produktion, das häufigste Modell ist der VW Käfer, mit 26.857 Fahrzeugen. Dahinter folgt der Mercedes SL (R107) mit 7.103 Fahrzeugen. Der Porsche 911 liegt auf Rang fünf mit 5.500 angemeldeten Autos.
In Europa sind 2,3 Millionen Oldtimer zugelassen, auch hier zeigt der Trend nach oben. Die Preise steigen auch: Der durchschnittliche Wert von Oldtimern wuchs laut Deutschem Oldtimer Index (Dox) des VDA im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent. „Mit neun bis zehn Prozent Rendite pro Jahr kann man fast immer rechnen“, sagt Marius Brune, Geschäftsführer vom Marktbeobachter Classic Data. Vor allem Fahrzeuge über 100.000 Euro seien für Anleger interessant, da die Wertsteigerung die Nebenkosten ausgleicht. „Das internationale Geldpublikum interessiert sich besonders für Autos mit einem Wert über einer halben Millionen Euro“, sagt Brune.Investitionsobjekt Kleinwagen
Echte Wertsteigerungen versprechen nur gut erhaltene Fahrzeuge im Originalzustand und restaurierte Fahrzeuge. Diese müssen nicht teuer sein. Renditesieger waren 2011 vor allem Kleinwagen: Die „Ente“ Citroën 2CV, der Renault 4 und der Fiat 500 F. Auf Rang vier folgt der „Hausfrauen-Porsche“ 924.
Den größten Sprung von Platz 21 auf Rang fünf schaffte der Mercedes 300 SL Flügeltürer, der auch das teuerste Fahrzeug in den Top Ten ist. Bei Markteinführung 1954 kostete das Coupé stolze 29.000 D-Mark – einen VW Käfer 1200 Standard gab es für 3.950 D-Mark.
Aber während die Käfer-Preise heute im niedrigen fünfstelligen Bereich dümpeln, stiegen die Preise des 300 SL schon 2005 auf rund 300.000 Euro.
300 SL: Traumrenditen
„In den vergangenen Jahren sind die Preise weiter geklettert. Ein guter und originaler 300 SL kostet heute 600.000 Euro“, sagt Klaus Kienle, Inhaber von Kienle Automobiltechnik. Das Unternehmen in Heimerdingen bei Stuttgart ist der weltweit größte unabhängige Restaurierungsfachbetrieb für klassische Mercedes und ein Spezialist für die Modelle 600 und 300 SL. Insgesamt wurden 1.858 Roadster gebaut, davon haben 1.400 Fahrzeuge überlebt. Vom Flügeltürer existieren noch 900 von 1.400 gebauten. Durch Kienles Werkstatt gingen bisher etwa 600 Autos.„Seit vier oder fünf Jahren ändern sich nicht nur die Preise, sondern auch die Käufer. Drei von zehn Kunden kaufen sich einen SL bewusst als Geldanlage“, sagt Kienle. Die Wenigsten stellen sich ihre fahrende Aktie aber in die Garage. „Es ist zwar eine gute Wertanlage mit einer hohen Rendite, muss aber auch gefahren werden. Denn sonst bekommen die Fahrzeuge Standschäden.
Die Anleger suchen sich bewusst ein historisches Fahrzeug, weil sie Spaß an einem Oldtimer haben“, sagt Kienle. Der Anleger will seinen Traumwagen fahren und in Kindheitserinnerungen schwelgen. Kunden aus dem arabischen Raum bevorzugen den 600, das Landaulet oder den Pullmann. Spanier und Portugiesen lieben dagegen die „Pagode“.
Martin Halder vom Meilenwerk sieht vier Typen von Oldtimer-Besitzern:
- Echte Liebhaber, die sich für bestimmte Marken, Epochen oder Fahrzeugtypen interessieren
- Sammler, die sich mehr oder weniger systematisch einen Fahrzeugbestand aufbauen
- Youngtimer- und Oldtimerfreunde, denen es um die Freude am Automobil und am Fahren geht
- Investoren, die an Vermögensaufbau und –erhalt interessiert sind
Die Gruppe der Investoren habe zugenommen, die Fahrer von Youngtimern bilden aber die stärkste Gruppe.
Wenn etwas mehr Geld übrig ist ...
Wenn es teurer werden darf, sind auch Vorkriegsfahrzeuge wie der Mercedes 540 oder 500K der 1930er Jahre eine gute Wahl, sagt Klaus Kienler. Solche Autos kosten rund eine Million Euro. Auch ein BMW 507 aus den 1950er Jahren ist heute doppelt so viel wert als noch vor fünf Jahren und wird mit 720.000 Euro gehandelt.
Noch exklusiver sind einige Bugatti-Modelle oder historische Ferrari. Der 250 GTO mit der Fahrgestellnummer 5095GT wurde vor kurzem für 24 Millionen an einen anonymen Fan verkauft. 1996 wechselte das 32. von 39 gebauten Fahrzeugen noch für 4,3 Millionen den Besitzer. Ein anderes Modell aus der gleichen Baureihe war noch teurer: Der pastellgrüne Ferrari 250 GTO mit der Fahrgestelnummer 3505GT war einem Bieter rund 28 Millionen Euro wert. Vielen Dank an FastEddy für den Hinweis.
Jetzt in Youngtimer investieren
Doch auch kleinerer Geldbeträge lassen sich sicher anlegen: „Wer jetzt investiert, sollte sich nach einigen Youngtimern umsehen. Tipps sind der Mercedes E500, Mercedes 190 E 16 V oder der Mercedes SL der 1990er Jahre (R129)“, sagt Klaus Kienle.
Martin Halder empfiehlt als Wertanlage einen knapp 30 Jahre alten Rolls-Royce oder Bentley. Auch ein BMW Z1 sei eine gute Wahl, wie überhaupt einige BMW-Fahrzeuge der 1970er- und 1980er-Jahre. Sportwagen gehen zwar besser als Limousinen. „Die wichtigste ‚Rendite’ beim Oldtimer ist aber die Fahrfreude. Das sollte das tragende Kaufmotiv sein“, sagt Halder.
Wo gute Oldies kaufen?
Beliebter Ort für den Kauf einer rollenden Geldanlage sind neben Händlern spezielle Auktionen wie eben die Techno Classica in Essen, die Klassiker-Show Concorso d’ Eleganza Villa d´ Este am Comer See oder das legendäre Tausend-Meilen-Rennen Mille Miglia.
Für Top-Preise sollte das Auto im Originalzustand sein, wenig Laufleistung und nur einen oder zwei Vorbesitzer eingetragen haben. Beim Kauf sollte unbedingt ein Fachmann dabei sein, der das Auto kennt. Auch ein Wertgutachten gibt Auskunft über den Zustand des Autos.
Die Noten der Gutachten von Classic Data, TÜV oder Dekra reichen von eins bis fünf und geben eine Preisschätzung. Experten raten dazu, ein möglichst originales Auto in einem guten Zustand mit der Note 3+ oder besser zu kaufen. Denn eine Restaurierung ist oft ein Fass ohne Boden.
Günstig: Steuer und Versicherung
Sparen können Oldie-Fahrer bei Kfz-Steuer und Versicherung. Für Autos, die älter als 30 Jahre sind und ein H-Kennzeichen führen, zahlt man pauschal 192 Euro Kfz-Steuer. Eine Vollkasko-Versicherung kostet jährlich zwischen 200 und 300 Euro.
Übrigens: Auch als Dienstwagen kann ein Oldtimer interessant sein. Für das Finanzamt zählt der frühere Neupreis, nicht der aktuelle Marktwert. Während ein neuer Porsche 911 S zum Beispiel 102.436 Euro kostet, gab es das Ur-Modell von 1968 für 26.918 Mark (13.762,95 Euro).
Nach der 1-Prozent-Regelung sind monatlich also nur 137 Euro zu versteuern. Dass der Oldie derzeit einen Marktwert von über 65.000 Euro hat, spielt für das Finanzamt keine Rolle.
In meinen Augen ist die Investition in einen Z1 sehr schnell ein Reinfall.
Denn bei diesen Fahrzeugen verrecken die Steuergeräte, ein Austauschgerät (so war es zumin. vor wenigen Jahren) ist etwa soviel Wert wie das Fahrzeug.
...und wenn man im Aktienbereich solche Artikel liest, kann man davon ausgehen, dass die Hausfrauen-Rallye gerade auf Hochtouren läuft. 😉
Wie teuer war denn damals der Z1, daß der jetzt mit 20.000 Euro so wertvoll ist? Irgendwie ne Milchmädchenrechnung...
88.000 DM. Die Preise haben ihre Talsohle erreicht.
Die Steuergeräte sind übrigens nicht so teuer, zumindest nicht die für den Motor, den wir auch aus dem E30 (325i) und E34 (525i) kennen.
Der Z1 ist keine Wertanlage.
Hätte man den Wagen damals neu gekauft und aufwendig eingemottet, mit ein paar Bewegungskilometern und Wartung selbstverständlich, dann würde man heute in etwa den Neupreis in EUR bekommen. Dabei ist die Inflation nicht berücksichtigt und die Lagerung und Instandhaltung auch nicht. Richtig wäre, dass so ein Wagen bei guter Pflege einen sehr geringen Wertverlust hat.
Die nächste Blase!
Immobilien, Aktien, Kunst und jetzt auch noch alte Autos!
Na ja, wenn es knallt sind wenigstens die Verluste "angenehm" vergesellschaftet.....
Fachbetrieb Kienle - war das nicht die Firma, wo letztlich der 25Jährige Schrauber mit dem 19jährigen Auzubi einen 300 SL komplett geschrottet haben?? 😕
Es gibt somit auch Risiken, die nicht verschwiegen werden sollte....
An erster Stelle ist - wie immer - der Staat zu nennen. Durch staatliche Eingriffe, die jederzeit willkürlich unter dem Label "Klimaschutz" in all seinen Varianten kommen können, kann de facto eine Enteignung stattfinden. Siehe "Umweltzonen". Oder es gibt neue Sicherheitsauflagen. Da sind der Horror-Fantasie kaum Grenzen gesetzt... Beispiele?
* Keine Zufahrt mehr in Innenstädte ab einem bestimmten Alter
* Zulassung nur noch wenn bestimmte elektrische Helferlein eingebaut sind
* Fahrzeug startet erst nach erfolgreichem Alkoholtest in der eingebauten Kontrolleinheit
* Kraftstoff für Oldtimer wird nicht mehr angeboten (s. Bleifrei, E10, ...)
-- alles schon in der Diskussion gewesen.
Das H-Kennzeichen kann auch schwuppsdiewupps wieder abgeschafft werden.
Imagerisiko- Oldtimer stehen sowieso immer noch in dem Generalverdacht, was für reiche ältere Herren zu sein. Die Youngtimerszene arbeitet gerade beharrlich daran, das Gegenteil zu beweisen.. Aber. wenn es immer mehr solche Nachrichten in den Zeitungen gibt, dass jetzt die Investoren die Oldtimer entdecken, dann kann die Stimmung auch wieder umschlagen, und Oldtimer sind dann in der veröffentlichten Meinung mit Investmentbankern, Heuschrecken etc. verknüpft.. wäre nicht schön, wenn dann das (vermeintlich) teure Blech zerkratzt wird oder Reifen zerstochen.
Ersatzteilrisiko: schon heute gibt es für viele Youngtimer keine adäquate Ersatzteilversorgung mehr. Versuchen Sie mal für einen VW Golf 1 eine Stossstange zu bekommen oder für einen Mercedes W201 aus 1989 die Türdichtungen oder die Türpappen in schwarz. Nada! Nur Ebay oder Nachbauten in zweifelhafter Qualität.
Und zu guter Letzt... es wird immer die Nobel-Oldtimer für die wirklich Reichen geben, siehe 300 SL, aber viele schöne Klassiker dümpeln seit Jahrzehnten zw. 5 und 10 TEUR ohne Potenzial nach oben, da ist der Markt einfach nicht da. Der Blick auf die Englischen Roadster der 50er bis 70er lohnt da auch.. da ist nix mehr mit Wertzuwachs.....
War ich doch nicht der Einzige mit diesem Gedanken. 😊
Es geht ja auch eher darum, dass man sich einen Young- bzw. Oldtimer in Hinblick auf die Wertsteigerung kauft und nicht um den Neuwert.
Und wann steigt der Wert vom Z1? Bis jetzt ist der Wert nur gefallen und in welcher Glaskugel steht, daß der jetzt steigt?
diese passage sollten doch sie noch mal richtig recherieren:
Die Hersteller wissen, wie wichtig Traditionspflege fürs Image ist.
die wahrheit schaut viel, viel anders aus. ich nenne bewusst keine
markennamen, denn die es betrifft, wissen was für ein trauerspiel hier
in deutschland geboten wird.
In meiner.
Es ging auch nicht speziell um den Z1.
Die Betonung liegt auf IMAGE... !
Aber richtig, das könnte ruhig mal professionell recherchiert werden. Wäre mal schön, hier Anspruch und Wirklichkeit gegenüberzustellen. Ich erinnere mich an Audi, die für ihre Old- oder Youngtimer nur wirklich nix übrig haben (im wahrsten Sinne des Wortes). Irgendein Audi-Manager (Name vergessen) meinte dazu doch mal sinngemäß, die Leute sollten doch den sch*** Quattro vergessen und lieber einen neuen TT kaufen.. Daher.. das Interesse geht nur soweit, wie dadurch der Absatz der Neufahrzeuge angekurbelt wird...
Bitte keine Gerüchte in Umlauf bringen 😉
War die Fa. Mechatronik
http://www.spiegel.de/.../...00-sl-erleidet-totalschaden-a-891281.html