Fri Jan 13 13:02:56 CET 2017
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AsiRider
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Kommentare (30)
„-Papa, was arbeitest du? – So stellte ich mir den Anfang eines perfekten Vater-Sohn-Familiendramas vor, in dem der Sohn mit 15 Jahren aus dem Haus flieht und danach ein obdachloses sowie drogengesteuertes Leben mit geschlechtsübergreifend wechselnden Sexpartnern führt, nur um wie sein Vater nicht zu enden, als ich ein C220 BlueTec T-Modell – im Volksmund ein typisches Vertreter-Auto – als Ersatzwagen für 3 Tage bekam. Und da ich keine Ahnung vom Vertreter-Dasein hatte, wollte ich diese Gelegenheit nutzen und untersuchen, ob das Leben eines Vertreters tatsächlich so klischeehaft ist, wie man munkelt. Um das Experiment gründlich, repräsentativ, zielgruppenorientiert sowie wissenschaftlich korrekt zu gestalten, packte ich alle Vertreter-Klischees aus, an die ich mich erinnern konnte, und schlüpfte in die Rolle eines nicht weniger klischeehaften Vertreters:
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Fri Jan 13 13:44:01 CET 2017 |
plaustri20
Nach den ersten 20 Zeilen muss ich sagen, richtig toller Schriebstil. Macht Spaß zu lesen


ABER dann habe ich aufgehört: Komplett ohne Absätze und Formatierung wird diesen Text wohl keiner komplett lesen. Macht keinen Spaß... Vielleicht kannst du da ja noch was ändern
Fri Jan 13 13:48:00 CET 2017 |
AsiRider
@plaustri20
Vielen lieben Dank!
Nur das mit Absätzen und Formatierung wundert mich - in meiner Ansicht ist alles richtig, alle Absätze sitzen und nichts ist verrutscht.
Fri Jan 13 13:58:22 CET 2017 |
Goify
Das kommt auf die Gewohnheit an: In Büchern werden kaum Absätze gemacht und man kann alles gut erfassen. Im Internet und bei E-Mails machen manche nach so fast jedem Wort eine neue Zeile oder gleich einen neuen Absatz.
Ich habe alles bis zum Ende gelesen und konstatiere eine Vollmeise in positivem Sinne.
Fri Jan 13 14:06:18 CET 2017 |
AsiRider
@Goify
Herzlichsten Dank! Ok, der Textkörper ist also nicht auseinander gegangen (was mir bei MT schon mal passiert ist - und das selbst nach einer erfolgreichen Jo-Jo-Diät!). Ansonsten war der Textaufbau genauso geplant - wir sind ja nicht in diesem, wie heißt das... E-Mail! Wir sind in der Literatur! Und Absätze braucht man nur, wenn man zu klein ist!
Fri Jan 13 16:26:28 CET 2017 |
SantanaGX
@ AsiRider
Hallo,
das Du nicht mal annähernd Staubsaugervertreter bist, glaubt man Dir anhand dieses kleinen, nun ja, Essays (!!!) gerne.
Meine Branchenvermutung ist: Selbstdarsteller.
Ein durch und durch belangloser Text für ein Schaumschläger-Automobil mit Hang zum Verrat der eigenen Tradition.
Gruß
SantanaGX
Fri Jan 13 16:59:05 CET 2017 |
AsiRider
@SantanaGX
Vielen Dank, dass Du Zeit fürs Lesen dieses Berichts gefunden hast! Ebenfalls danke für Dein Feedback!
Ob die S205-Baureihe "ein Schaumschläger-Automobil mit Hang zum Verrat der eigenen Tradition" ist, habe ich nicht zu urteilen. Denn ich urteile generell nicht. Unabhängig davon, ob es um Fahrzeuge, Menschen oder etwas Anderes geht. Ich sammle nur meine Eindrücke und systematisiere sie. Manchmal teile ich diese auch mit. In der Hoffnung, dass zumindest ein paar Menschen am Ende einer (möglicherweise schweren) Arbeitswoche ein paar Mal schmunzeln, was ihre Stimmung etwas verbessert.
Fri Jan 13 17:09:40 CET 2017 |
Batterietester136059
Ein Hoch auf den gestressten Staubsaugervertreter, der typischerweise mit 0 Sicherheitsabstand, blinker Links und Lichthupe die Autobahnen unsicher macht. Leider hat dieser meist nicht die Ehre eine C Klasse 220CDI zu fahren, denn sonst würde er nicht vor Wut in sein Lenkrad beissen, wenn die linke Spur frei ist und er mich aufgrund mangelnder PS Leistung nicht überholt bekommt.
Heute werden normale Vertreter teilweise echt mit wesentlich kleineren Autos sowie auch Motoren gequält und das bei astronomisch hohen Kilometerleistungen pro Jahr. Da macht die Arbeit dann auch nicht mehr so viel Spaß. Da ist dann eine Mercedes C Klasse als Firmenwagen fast schon ein Sechser im Lotto, besonders wenn man sieht wie Kostengünstig man so ein Fahrzeug als Firmenwagen dann fahren kann.
Echt super Schreibstil,sehr unterhaltsam wie ich finde wenn man Humor versteht.
Fri Jan 13 17:21:07 CET 2017 |
Goify
Zum Inhalt, du empfindest die C-Klasse mit nur noch 1.615 kg als sehr leicht. Mein Wagen ist deutlich größer und wiegt nochmal 115 kg weniger. Leichtbau ist nicht, an allen möglichen Stellen sauteures Aluminium zu verwenden, sondern den Wagen ganzheitlich zu betrachten. Intelligenter Leichtbau ist allerdings im modernen Automobilbau ein völlig unbekanntes Themengebiet - ganz besonders bei Mercedes.
Fri Jan 13 17:26:10 CET 2017 |
AsiRider
@phhe
Liebsten Dank!
Die C-Klasse ist wirklich relativ günstig als Firmenfahrzeug zu fahren, obwohl es natürlich auch deutlich Günstigere gibt. In meinem Umfeld fahren viele Außendienstler tatsächlich den C220, wobei es gesagt werden muss, dass sie keine Staubsauger verkaufen:-)
Fri Jan 13 17:39:19 CET 2017 |
AsiRider
@Goify
Der Vertreter in mir, der für diesen Testbericht zuständig ist, hat nicht von "sehr leicht" gesprochen, sondern von "Leichtigkeit" mit dem Schwerpunkt "Handling" - dass das Fahrzeug sich leicht auf der Bremse und beim Richtungswechsel anfühlt, was hauptsächlich der Verdienst vom Fahrwerk ist. Dass moderne Fahrzeuge durch die Crash-Normen und Unmengen an Elektronik immer schwerer werden, ist leider wirklich der Fall. Und dass es ein Teufelskreis ist, wenn es durch immer mehr Leistung und mehr Elektronik versucht wird, das genau daraus resultierende Gewicht zu kaschieren, ist ja offensichtlich. Aber da sind wir schon beim Thema "Binsenweisheiten".
Fri Jan 13 17:42:55 CET 2017 |
Goify
Ich frage mich nur, warum die C-Klasse so viel schwerer ist? Sie ist ja nicht moderner oder mit mehr Technik ausgestattet als mein Wagen.
Fri Jan 13 17:58:18 CET 2017 |
AsiRider
@Goify
Das ist eine gute Frage. Andererseits, wenn man bedenkt, dass die aktuelle A-Klasse W176 in der Basis ca. 1,4 Tonnen wiegt, wundert man sich über gar nichts mehr.
Fri Jan 13 20:30:53 CET 2017 |
nick_rs
Ich versuche gerade wie wild die Unterschiede zu meiner getesteten C-Klasse zu finden. Pass auf, nachher war es ein und das selbe Fahrzeug
Fri Jan 13 20:38:08 CET 2017 |
AsiRider
@nick_rs
Lol! „Papa, Annemaries Mutter sagt, dass alle Vertreter sich ähnlich sehen...":-)
Sat Jan 14 11:31:13 CET 2017 |
fantasticAMG
Lieber AsiRider,
vielen Dank für Deine Mühe und Deine Zeit, um diesen Zitat: "durch und durch belanglosen Text" inform eines Testberichts zu verfassen (ob er wohl früher A45 AMG gefahren ist und jetzt ein C43 Cabrio fährt? Oder an einem psychosozialen Moratorium leidet? Man weiß es nicht).
Ich musste mehr als ein paar Mal schmunzeln! Und die persönlichen Ereignisse der vergangenen Woche waren ebenfalls mehr als nur anstrengend.
Eine herrliche Kombination aus Deinen gewonnenen Eindrücken und einem erdachten Vertreter-Dasein.
Ich für mein Teil habe mich bestens unterhalten gefühlt und hoffe auf baldige weitere Testberichte von Dir!
Bis dahin, Bruder!
Grüße
fantasticAMG
Sat Jan 14 12:09:40 CET 2017 |
AsiRider
@fantasticAMG
Allerherzlichsten Dank! Das ist sehr lieb von Dir!
Mon Jan 16 17:52:00 CET 2017 |
Ascender
Sehr geiler Text.
Danke dafür.
Mon Jan 16 18:35:56 CET 2017 |
AsiRider
@Ascender
Ich habe für Deine netten Worte zu danken!
Wed Jan 18 11:54:10 CET 2017 |
Faltenbalg135484
Ich bin auch Vertreter (allerdings nicht für Staubsauger, sondern Spezialsoftware) und ehrlich gesagt interessiert mich das Auto null. Paradoxerweise ist mein Poolfahrzeug eine V-Klasse, obwohl ich ja gerade nicht sperrige Handelsgüter feilbiete.

Nun fahre ich mit einem Renault zu den Terminen und die eigentlich fällige Trauer über den Abstieg trat nicht ein. Es fährt, es hat brauchbare Sitze, der Messestand geht rein. Es könnte auch Opel oder Mitsubishi draufstehen, es ist mir egal. Der drängeldne Vertreter, der sich was auf seinen schwarzen Passat oder die weiße C-Klasse einbildet, der dürfte doch langsam ein Auslaufmodell sein. Für Objektfetischismus haben wir keine Zeit und nervlichen Kapazitäten mehr.
Wed Jan 18 13:11:38 CET 2017 |
AsiRider
@VincentVEGA_
Vielen Dank für Dein Feedback!
Natürlich sind Klischees oberflächliche Verallgemeinerungen, Pauschalurteile, die schneller überholt werden, als sie entstehen. Denn fundiert sie nicht und alles unterliegt Veränderung. Und ja, früher war alles besser. Na ja, bis auf mein Deutsch. Ich bin ein Ausländer-Osteuropäer, lebe seit 17 Jahren in Deutschland und habe jeden Tag mit diversen Klischees zu kämpfen. Der Bericht war ja auch mein Statement, was das Thema "Klischees" angeht. Und dass ich mich über das klischeehafte Vertreter-Sinnbild, aber nicht über diesen Job lustig gemacht habe, ist Dir bestimmt nicht entgangen. Menschen, die diesen Job ausüben, verdienen Respekt, denn einfach ist er sowas von nicht.
Thu Jan 19 11:47:24 CET 2017 |
Faltenbalg135484
Ich könnte mir ehrlich gesagt keinen Nine-to-Five-Bürojob mehr vorstellen, mit immer den gleichen Formularen, den gleichen Anrufen und und und.
Das Problem ist halt das oft lächerlich geringe Fixum, mit dem man gerade mal mit Hängen und Würgen die Miete mit Nebenkosten und den täglichen Bedarf decken kann. Fast immer gibt es Umsatzgarantie oben drauf für schlechte Monate, aber die wird einem ja vom dann tatsächlich erwirtschafteten Umsatz wieder abgezogen.
Der Druck, Abschlüsse zu machen, lässt mich z.B. jetzt, wo sich ein recht erfolgloser Monat dem Ende zuneigt, nicht mehr schlafen.
Thu Jan 19 12:02:35 CET 2017 |
pico24229
Oh das klingt ja schon hart. Wie lange machst du den Job den schon, noch nicht so lange soweit ich mich erinnere?
Thu Jan 19 14:01:52 CET 2017 |
Faltenbalg135484
Seit letztem Jahr erst, richtig.
Im Prinzip macht der Job Spaß. Ich vertrete ja ein sehr erklärungsbedürftiges Produkt, und das macht Termine zwar kompliziert, fordert mich aber auch stets, sodass keine Langeweile aufkommt. Staubsauger verkaufen könnte ich hingegen nicht.
In meiner Arbeit liegt aufgrund der Komplexität der Software auch die Beratung der Kunden, was eine willkommene Abwechslung vom klassischen Verkaufen ist. Klar hat man auch mal Schreibtischtage, wo man Präsentationen austüftelt und auch mal die ungeliebte Kaltakquise machen muss, aber wenn man sich mit dem Produkt identifizieren kann, geht es eigentlich locker von der Hand.
Ich bin fast nie zuhause, unterwegs ist man gestresst und es gibt auch zu Genüge Misserfolge. Doch trotzdem muss ich sagen, dass mir die Arbeit als solche Spaß macht. Ich war vorher Sachbearbeiter und das würde ich jetzt nie wieder machen wollen.
Dass man nie weiß, wie viel man die nächsten Monate nach hause bringt, macht einen nicht nur unsicher, für Kredite u.Ä. wird ja auch nur das Grundgehalt bemessen und damit bekomme ich nicht mal die Zusage für eine gute Küche, geschweige denn einen Neuwagen, weshalb ich mir nun doch keinen Neuwagen leisten konnte.
Thu Jan 19 17:11:24 CET 2017 |
AsiRider
@VincentVEGA_
Das liest sich einerseits sehr interessant (ohne diesen Job gemacht zu haben, bekommt man solche Einzelheiten natürlich nicht mit), andererseits, wie pico24229 bereits geschrieben hat, wirklich hart. Darf ich fragen, welche Art von Software Du verkaufst?
Thu Jan 19 18:28:50 CET 2017 |
Faltenbalg135484
Mein Arbeitgeber bietet ein umfangreiches Portfolio an Lösungen für die Gesundheitswirtschaft an.
Leider ist die Branche vergleichsweise unbeweglich, was die Arbeit ziemlich erschwert.
Über konkrete Zahlen zu Grundgehalt und Provision bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet, aber meine Freundin verdient als Auszubildende in der Krankenpflege einen nicht unerheblichen Teil unseres Einkommens..
Thu Jan 19 20:36:17 CET 2017 |
AsiRider
@VincentVEGA_
Das klingt nach speziellen Produkten in einem speziellen Bereich. Darf ich fragen, wie Du zu diesem Job gekommen bist? Also warum genau dieser Job?
Fri Jan 20 14:09:42 CET 2017 |
Faltenbalg135484
Klar darfst du das, mache ich nachher per PN - wir schweifen hier ja ziemlich ab.
Fri Jan 20 20:37:20 CET 2017 |
AsiRider
@VincentVEGA_
Ok, stimmt.
Deine Antwort auf "„Wenn ich groß bin, werde ich Vertreter!“ Testbericht des Mercedes-Benz C220 BlueTec T-Modell, S205"