Die Taktik des Volkswagen-Konzerns zu Beginn der 70er Jahre, zunächst die Konzerntochter Audi vorzuschicken, wenn es darum ging, ein bestimmtes Marktsegment auszuloten, hatte beim Audi 80 und dem Volkswagen Passat gut funktioniert. Karosserie Rost ist bei Fahrzeugen aus dem Volkswagenkonzern gerade in den siebziger Jahren ein Thema, nicht nur beim Golf I („Der heißt so wegen der 18 Löcher im Blech“), sondern auch bei seinem kleineren Bruder und dessen Audi-Zwilling. Vorn nistet der Gilb beim Ur-Polo zumeist an der Unterkante des Frontblechs und den Übergängen zu den Kotflügeln. Selbst kleine Bläschen dort sind ein Alarmzeichen und deuten auf eine Durchrostung von innen hin. Die Stehbleche gammeln ebenfalls gern, vor allem im Bereich der Kotflügelauflagen. Die geschraubten Frontkotflügel selbst sind an den besagten Stellen ebenfalls gefährdet, außerdem im Bereich der vorderen Chromleisten und am Übergang zur A-Säule oben und unten. Rostpickel dort lassen Schlimmes auch für den Zustand der dahinter liegenden tragenden Säule vermuten. Das Heckblech gammelt gern am Übergang der Endspitzen und der Seitenteile sowie zum Kofferraum hin, vor allem im Bereich der Reserveradmulde. Die hintere Klappe ist vor allem im Bereich der Unterkante rostgefährdet, was zu Wassereinbrüchen im Kofferraum führen kann – ebenso wie zu defekten Heckleuchtendichtungen. Aber auch an den Scharnieren rostet die Klappe gern, bis hin zur Abrostung. Der Dachbereich ist rund um die Scharnierbefestigung ebenfalls gefährdet, aber auch die Stellen, wo die Dachhaut an den darunter liegenden Streben verklebt ist, verdienen einen kritischen Blick. Ein unflexibler und noch dazu hygroskopischer Kleber sorgt an dieser unüblichen Stelle für Probleme. Technik und Elektrik Die Motoren des Polo sind haltbare Aggregate, egal ob mit 0,9, 1,1 oder 1,3 Litern Hubraum. Ihre Leistung liegt zwischen 40 und 60 PS, nur für den Export gab es auch eine 24 PS Variante mit 800 ccm. Blaue Wolken beim Lastwechsel deuten auf verschlissene Ventilschaftdichtungen hin. Die Weber-Vergaser kranken oft an ausgeschlagenen Wellen der Drosselklappen und lassen sich dann nicht mehr korrekt justieren. Leichte Ölaustritte an der Zylinderkopfdichtung sind normal, sollte ansonsten Inkontinenz diagnostiziert werden, ist möglicherweise die Kurbelgehäuseentlüftung verstopft. Die Getriebe halten ewig, aber die Schaltgestänge leiern bei hohen Laufleistungen häufig aus. Das Kühlsystem zeigt ab und an Alterserscheinungen. Kühler sind noch erhältlich (wenn auch nicht oft nötig). Das Ausgleichsgefäß neigt zum Verspröden und kann dann platzen. Das Fahrwerk gilt als robust, lediglich die Querlenker machen bei erhöhtem Spiel mit Klappergeräuschen auf sich aufmerksam, und die Domlager sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Bei der Elektrik machen die Lenkstockschalter öfters Ärger, und die Massepunkte im Motorraum, unter dem Armaturenbrett und im Kofferraum verdienen Aufmerksamkeit: Phasenweise wurden Kabelschuhe minderer Qualität verbaut, die sich von den Steckern lösen. Klappernde Sitze haben ihre Ursache in defekten oder fehlenden Sitzgleitern – diese sind aus Kunststoff, reine Verschleißteile und im Grunde Cent-Artikel, aber nicht mehr bei jedem VW-Händler erhältlich. Die Sitzbezüge sind verschleißfreudig, allenfalls die „Vollskai“-Ausstattung aus Kunstleder gilt als haltbar. Die Armaturenbretter werden mit der Hitze vieler Sommer nicht fertig es kommt an der Oberkante meist zu einer Wellenlandschaft. Das imitierte Walnussfurnier des Aramaturenbretts ist oft verblichen. Ausführungen mit Drehzahlmesser sind besonders gesucht – original befindet sich daneben ein Tacho mit Tageskilometerzähler. Hutablagen, die weder an den Kanten ausgefranst noch durchgebogen oder von Vorbesitzern durchlöchert worden sind, gelten als seltener Glücksfall. Teile und Preise Wer sich für ein Exemplar der werksintern „Typ 86“ genannten ersten Baureihe des kleinen Volkswagens interessiert, sollte auf komplette Anbauteile und ein vollständiges, möglichst mängelarmes Interieur achten. Viele Detailänderungen im Lauf der Jahre machen die Suche nach originalen Ersatzteilen oft zum langwierigen Geduldsspiel. Technische Komponenten passen häufig noch von den bis 1994 gebauten Nachfolgern und sind daher weit weniger problematisch. Die Auswahl an Ur-Polos am Markt hat sich in den letzten Jahren verringert. Selbst die Exemplare der letzten Produktionsjahre ab 1979 – erkennbar an einem massiven Kühlergrill und kunststoffummantelten Stoßfängern – sind rar geworden. Heruntergerittene Letzthand-Exemplare gehen für Preise um 500 Euro weg, für ein fahrbereites Fahrzeug mit TÜV ist der Preis inzwischen im vierstelligen Bereich angekommen, und rentnergepflegte Top-86er liegen durchaus um 5.000 Euro. Autor: Michael Grotenull http://www.carsablanca.de/Oldtimer-Lexikon/Modell/volkswagen-polo-i Volkswagen Polo im Carsablanca-Lexikon http://www.carsablanca.de/Oldtimer-Lexikon/Modell/volkswagen-polo-i Audi 50 im Carsablanca-Lexikon Volkswagen Polo auf Carsablanca http://www.carsablanca.de/.../Car?q=volkswagen+poloAudi 50 auf Carsablanca von Michael Grote
Quelle: Carsablanca |
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