Horst Seehofer fordert die Einführung der Pkw-Maut für ausländische Autofahrer. Björn Tolksdorf sucht nach einem Grund dafür. Seit Tagen schon. Ohne Erfolg.
Berlin - Autobahnmaut, Pkw-Maut, City-Maut, Harold and Maude – und nun die Ausländer-Maut. Indem der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer dieses Thema aufbrachte, sorgte er zumindest für eines: ein frühzeitiges Ende des Urlaubs der Verkehrspolitiker aller Parteien.
![]() Es gibt Gründe, warum das CSU-Thema Pkw-Maut keinen Eingang ins gemeinsame Wahlprogramm gefunden hat. Ein Grund ist, dass das Ärgern von Autofahrern vor der Wahl Stimmen kostet. Ein anderer Grund: Eine Ausländer-Maut, also eine Abgabe nur für Kraftfahrer mit Wohnsitz im Ausland, das klingt nach Wild West und Bestrafung ("Die nutzen unsere Autobahnen, Deutschland ist ein Transitland"). Tatsächlich sind diese Stammtisch-Parolen nicht mit geltendem EU-Recht vereinbar. Das weiß der Politprofi Horst Seehofer. Also eine Maut für alle. Aber von der müssten deutsche Autofahrer an anderer Stelle entlastet werden. Vielleicht nicht bei der Mineralölsteuer – schließlich tanken auch Transitreisende. Abschaffung der Kfz-Steuer?Bleibt die Kfz-Steuer. Seit Jahrzehnten ein Instrument umweltpolitischer Steuerung. Kleine Motoren kosten weniger als große, schmutzige Antriebe mehr als saubere, Elektroautos kosten gar nichts. Verzichtet die Politik zugunsten einer Autobahnmaut auf die Kfz-Steuer, verzichtet sie auf dieses Steuerungselement. Und benachteiligt Fahrer, die bisher wenig Steuern zahlen, weil sie kleine, sparsame Autos fahren. ![]() Aber: Eine Nutzungsgebühr nur für Ausländer rechnet sich gar nicht. Der ADAC schätzt die Einnahmen einer solchen Maut auf 252 Millionen Euro im Jahr. Das deckt kaum die Systemkosten. Wie Horst S. auf die neuerliche Proklamierung der Ausländer-Maut kommt? Als CSU-Parteivorsitzender vertritt er einen Parteitagsbeschluss von 2011. Der muss in bierzeltschwangeren Köpfen entstanden sein. Schließlich drückt er sich um alle schwierigen Fragen – zum Beispiel die, wie das funktionieren soll. Darum noch einmal die Frage: Will Seehofer das wirklich? Die nächste Regierung an etwas knüpfen, das erstens niemand außer der CSU will. Das zweitens fundamental gegen EU-Recht verstößt und das sich drittens nicht einmal lohnt? Vermutlich nicht, denn der Mann ist nicht dumm. Schade nur, dass er die Wähler offenbar für dumm verkaufen will. Herr Seehofer, das war ein Beitrag zur viel zu oft diskutierten Politikverdrossenheit. |
