Der letzte große Opel hieß Senator. Wir fuhren das von einem Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum angetriebene Stück Unternehmensgeschichte ein letztes Mal.
Rüsselsheim – Senator. Was für ein Name. Vor Jahrzehnten dachte dabei noch niemand an Vielfliegermeilen und Gratisdrinks in der Flughafen-Lounge. Assoziiert wurden große Politik, mitunter Schifffahrt - und ab 1978 Opels größte Limousine. Das Oberklasse-Modell entstand in zwei Generationen. Gänzlich eigenständige Modelle waren sie beide nicht. Der Senator A basierte auf dem Rekord, der Senator B für den finalen Zeitraum von 1987 bis 1993 nutzte in Grundzügen Karosse und Technik des Omega A - also eines Modells für die gehobene Mittelklasse. Seinen Reiz hat die 4,89 Meter lange, zweite Generation des Flaggschiffs dennoch. Bis heute. Vier Personen finden ausreichend Platz, die Türen öffnen weit. Breite, weiche Sitze empfangen die Insassen. Die Materialanmutung konnte damals beinahe mit dem Standard bei BMW und Audi mithalten, Gleiches gilt für Spaltmaße und Motoren. Ein Opel für die linke Spur Im Innenraum bot der große Opel viel für sein Geld: Die Bedienungselemente sind aus heutiger Sicht zwar eher für Grobmotoriker gedacht. Andererseits sind die breiten, dicken Hebel und Schalter praktisch, irgendwie. Ebenso wie der dicke Automatikhebel, der mit Leder bezogene Armaturenträger und die dicken Ledersitze. Mit der digitalen Anzeige für Tacho und Drehzahlmesser war Opel damals richtig früh dran. Selbst Reiserechner, Bordcomputer sowie ein Autotelefon konnten Kunden damals ordern. Die Radio-Kassetten-Anlage arbeitet mit automatischer Lautstärkenregulierung. Das Beste sind jedoch die dicken und sehr weichen Sitze. Einmal passend eingestellt fühlt man sich wie in Omas guter Stube beim gemütlichen Nachmittagskaffee. Dazu passt das weich ausgelegte Fahrwerk. optional gab es eine elektronische Dämpferregulierung. Ein Tritt aufs Gaspedal und der Sechser zischt leise vor sich hin, ehe er den Senator anschiebt. Nicht wuchtartig, aber mit ausreichend Kraft. Von 0 auf 100 km/h rennt der große Opel in rund neun Sekunden, die Kraft läuft über die Hinterachse, die Lenkung wirkt weich, vermittelt wenig Gefühl. 1993 entlässt Opel den Senator aus seinem Amt So richtig konnte der Senator die breite Masse nicht überzeugen, nur wenige griffen zu. Zu wenige. 1993 endet die Produktion, Opel verabschiedet sich komplett aus dem Segment. Ein Verkauf der Marke auf Raten. Der Signum sollte der Nachfolger sein, doch stimmten weder Design, noch Image oder Motoren. Ein V6 kann keinen Reihensechser von Opel ersetzen, vor allem wenn er nur die Vorderräder antreibt. Mit diesem Senator ging bei Opel weit mehr als nur eine Baureihe zu Ende. Opel Senator B 24 V - Technische Daten
Quelle: Fabian Hoberg |
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