Mit dem XT4 will Cadillac in Europa endlich aus der Nische fahren. Die Ansätze sind gut, doch an mancher Stelle besteht noch etwas Feintuning-Bedarf für das USA-SUV.
Seattle/USA - Felix Weller hat ein Problem: Seine Marke kennt fast jeder, doch seine Autos kauft kaum einer. Gerade einmal 944 Neuzulassungen kann der Europa-Chef von Cadillac deshalb fürs letzte Jahr vermelden, mehr als die Hälfte davon rollt auf deutschen Straßen. Zu exotisch sind Limousinen wie der CT6 und zu groß Geländewagen wie der Escalade, als dass sich damit in Europa Masse machen ließe. Doch wenn Weller ein Jahr weiter blickt, geht ein Lächeln über sein Gesicht. Dafür setzen die Amerikaner wie immer auf ein markantes Design, das mit seinen auffälligen Front- und Rückleuchten und dem betont kantigen Schnitt angenehm heraussticht aus dem europäischen Einerlei. Es gibt viel Platz auf allen Plätzen und im Fond mehr Beinfreiheit als bei der Konkurrenz. Die Aussicht ist auch für die Fahrgäste auf der Rückbank angenehm und bei der Ausstattung wird nicht gespart: Sitzklimatisierung, Abstandsregelung und Spurführung, Head-Up-Display, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone und vorne wie hinten Steckdosen für USB-A und erstmals auch für USB-C. Viel gut Gemeintes schlecht umgesetztDavon abgesehen wirkt das Ambiente des Außenseiters aus Amerika etwas altbacken: Wo alle Welt auf digitale Cockpits setzt und Cinemascope-Bildschirme einbaut, schraubt Cadillac noch zwei vergleichsweise schlichte Rundinstrumente hinters Lenkrad, der Touchscreen über der Mittelkonsole ist zu klein und nicht sonderlich schön ins Cockpit integriert, dass Cadillac die iDrive-Kopie auf dem Mitteltunnel als Innovation feiert, ist fast schon Ironie. Schließlich werden Systeme mit Dreh-Drück-Steller woanders eher ausgemustert. Allerdings darf man von dem Motor nicht zu viel erwarten. Zumindest mit dem amerikanischen Setup der ersten Testwagen kommt das Triebwerk zwar auf knapp 240 PS und bis zu 350 Nm, bringt davon aber längst nicht alles auf die Straße. Irgendwo in der neunstufigen Automatik oder dem angehängten Allradantrieb gehen gefühlte 20 Prozent der Leistung verloren, so dass man dem XT4 nicht viel mehr als 200 km/h zutraut. Und der helle, heisere Klang macht die Sache nicht besser, wenn man aufs Gas tritt. Alle sechs Monate ein neues Modell Ein bisschen anders als die anderen, 10.000 Euro billiger als das bislang günstigste Modell der Marke und ein Maß für die Masse: Selbst wenn es die Amerikaner auch mit dem XT4 bei uns nicht vollends aus der Nische schaffen werden, spricht vieles dafür, dass der kleinste Cadillac zum größten Erfolg der Amerikaner wird und sich der Bekanntheitsgrad der Marke endlich auch ein wenig in den Verkaufszahlen niederschlagen könnte. Zumal der XT4 nur der Anfang ist, sagt Weller: „Denn in den nächsten drei Jahren kommt alle sechs Monate ein neues Modell“. Technische Daten Cadillac XT4
Quelle: Sp-x
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