Viele Mannheimer sind können nachts nicht schlafen - aufheulende Motoren und viel zu laute Autos bringen sie um die Erholung. Polizei und Stadt gehen jetzt gegen PS-Protzer vor.
Mannheim - Ein Motor heult auf, wird immer lauter, das Auto zieht vorbei. Die Anwohner am viel befahrenen Mannheimer Kaiserring sind genervt. Wolffried Wenneis ist einer davon: "Das Problem ist, dass diese Fahrzeuge eine Ringstrecke fahren", sagt der 78-Jährige. "Diese Krachmacher kommen in einer Stunde fünfmal bei mir am Haus vorbei." An einen erholsamen Schlaf sei nicht zu denken.
Diesmal hat der junge Mann im PS-starken Auto wenig Spaß: Hinter seinem Auto misst ein Verkehrspolizist 50 Zentimeter vor dem dicken Auspuff die Dezibel-Zahl. Fazit: Viel zu laut - die Fahrt ist hier zu Ende. Wenige Minuten später landet der Wagen auf dem Abschleppwagen. Er ist einer von vielen Autoposern, die mit ihrem Gefährt protzen und lärmend durch die Straßen brausen. ![]() Werden die Grenzwerte überschritten, bleibt das Auto stehen"Es gibt offensichtlich Menschen, meist maskulin, die glauben, sich darstellen zu müssen", sagt Mannheims Verkehrspolizeichef Dieter Schäfer. Neu sei das nicht, aber zuletzt wieder massiv. "Wir kämpfen schon seit zehn Jahren immer wieder gegen das Phänomen." Jetzt greifen Stadt und Polizei härter durch. Mehr als 30 Autos von Lärmsündern hat Schäfers Team in den vergangenen drei Wochen schon aus dem Verkehr gezogen. Verkehrspolizeichef Schäfer erzählt, seit Beginn der Kontrollen sei es bereits deutlich ruhiger geworden. Der Grenzwert für Fahrzeuge, die heute in den Verkehr kommen, liegt laut TÜV Nord bei 74 Dezibel im zweiten und dritten Gang. Bei sportlichen Wagen seien bis zu 75 Dezibel erlaubt. Ein Experte für Fahrzeugtechnik vom TÜV Nord sagt: "Die Szene, die in Mannheim die Umgebung kirre macht, wird nachträglich manipulierte Auspuffanlagen haben." Mit eingebauter Auspuffklappe werde der Großteil der Abgase an der Schalldämpferanlage vorbeigeführt. Der Lärm nervt besonders nachts und kann krank machenDie Mannheimer sind nicht nur genervt von den Lärmsündern - sie fürchten auch um ihre Gesundheit. "Lärm ist ein Stressfaktor", schreibt das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. "Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System." ![]() Für den jungen Mann in der Mannheimer Kontrolle wird es teuer: Für Dinge wie Abschleppen, Gutachten, Rückbau des Tunings und spätere neue Zulassung kämen locker 1.000 Euro zusammen, sagt Schäfer. Er ist an diesem Abend mit 30 Mann angerückt - und die Großkontrolle zeigt die gewünschte Wirkung: Schaulustige versammeln sich an der Absperrung, machen Handybilder. In den sozialen Netzwerken werde sich das hier rasend schnell verbreiten, sagt Schäfer. Bestenfalls schrecke es Fahrer auch an anderen Abenden vom PS-Protzen ab. Quelle: dpa |
