Audi A6 C7 (4G) 2.0 TDI ultra Avant S-Line (140kw / FWD / S-Tronic)
21.04.2017 12:00 | Bericht erstellt von Dr.OeTzi
Testfahrzeug | Audi A6 C7/4G 2.0 TDI ultra Avant |
---|---|
Leistung | 190 PS / 140 Kw |
Hubraum | 1968 |
HSN | 0588 |
TSN | AYU |
Aufbauart | Kombi |
Kilometerstand | 97800 km |
Getriebeart | Automatikschaltung |
Erstzulassung | 4/2015 |
Nutzungssituation | Firmenwagen zur privaten Nutzung |
Testdauer | mehr als ein Jahr |
Einleitung
Vorweg: Der A6 hat ist ein tolles Fahrzeug. Die Dämmung, das Matrix-Licht, die Haptik im Innenraum, die Sportsitze, das sehr lange 7-Gang DSG usw usf. Aber alles hat seine Tücken und da zeigte sich der A6 in den letzten zwei Jahren nicht unbedingt von seiner Schokoladenseite. Insgesamt stand der Wagen im Herbst 2015 mit gerademal 20.000km insgesamt etwas über zwei Wochen in der Werkstatt und war kurz vor der Wandlung. Was war passiert? Der Motor ging immer wieder in den Notlauf. Insbesondere bei sehr schnellen Lastwechseln leuchteten im FIS die Warnlampen auf und der Motor ging in den Notlauf. Nach einem Neustart war alles OK aber auf der Autobahn ist es nicht sooo witzig, wenn der Wagen gerademal 70kmh auf der geraden schafft. Einmal blieb der Werkstattmeister sogar selbst auf einer Probefahrt liegen. 1. Werkstattaufenthalt: Unterdrucksystem vom Turbolader getauscht Dann war Ruhe oder zumindest kein Notlauf. Weitere Mängel: Man kann also sagen, das ich ein klassisches Montagsauto erwischt habe. Es ist nur eine Spekulation aber ich vermute, dass das mit der sehr hohen Nachfrage des A6 Ende 2014/Anfang 2015 zusammenhängt. In diesem Zeitraum hat Audi den Markt mit sehr attraktiven Leasingangeboten gepuscht. Wir haben insgesamt 7 Monate auf unseren A6 warten müssen. Gut vorstellbar, das Audi die Produktion etwas angekurbelt hat und dabei eben die Qualität gelitten hat. Ich jedenfalls würde davon Abraten einen A6 Facelift aus 2015 zu kaufen! Aber nun zum positiven, denn der A6 war davon unabhängig ein toller Begleiter.
Kurz zur Ausstattung:
|
Karosserie
Platzangebot vorn: Platzangebot hinten: Kofferraum: Positiv ist außerdem das automatische Gepäckrollo, das beim öffnen der Heckklappe automatisch nach oben zurück fährt und auch wieder schließt. Weiterhin positiv ist, dass das Trennnetz nicht an der Rückbank befestigt ist. Dadurch lassen sich beide Seiten der Rückbank unabhängig voneinander öffnen. Bei VAG üblich ist eigentlich, dass das Trennetz in der 2/3-Seite verankert wird und dadurch diese Seite nur geklappt werden kann, wenn auch die 1/3-Seite umgeklappt wird oder das Trennetz entfernt wird. Wenn beide Seiten umgeklappt sind, kann das Trennetz aber wie bei VAG üblich trotzdem in der Rückbank verankert und dann das Netz hinter den Vordersitzen zum Dachhimmel gespannt werden. Die Ladefläche beträgt in der breite etwas über einem Meter und in der Tiefe ebenfalls etwas über einen Meter an der Unterkante und etwas 95cm an der Oberkannte der Sitze, wenn das Gepäckrollo entfernt ist. Die Durchladehöhe beträgt ca. 70cm. Bei umgeklappter Rückbank beträgt die Tiefe bis zur Oberkante der Rücksitze ca. 185-190cm´. Schiebt man die Vordersitze nach vorn ergibt sich eine Ladelänge von ca. 2,10m. Ich persönlich habe auch das ein oder andere mal im Kofferraum übernachtet. Trotz knapp 2m Körpergröße kein Problem. Übersichtlichkeit: Aufgrund der abfallenden, langen Motorhaube lässt sich der Abstand nach vorn nur sehr schwer einschätzen. PDC vorn ist also Pflicht wenn man häufig in etwas engere Lücken muss. Außerdem ist die Übersicht nach Schräg hinten nicht perfekt. So stört beim Schulterblick nach links die B-Säule (also Große Person sitzt man mit dem Kopf direkt daneben) und nach rechts die recht breite C-Säule. Positiv sind mir die Spiegel (sowohl innen als auch außen) aufgefallen, die eine sehr gute Übersicht geben. Qualitätseindruck: |
Platzangebot vorn: | eng | geräumig | |
---|---|---|---|
Platzangebot hinten: | eng | geräumig | |
Kofferraum: | klein | groß | |
Übersichtlichkeit: | schlecht | gut | |
Qualitätseindruck: | minderwertig | hochwertig |
- + Großzügiges Platzangebot vorn
- + Sehr hochwertiger Innenraum
- + Variabilität im Kofferraum (Gepäckraumabdeckung und Trennnetz)
- - Übersichtlichkeit eingeschränkt
- - fehlender (echter) doppelter Ladeboden
Antrieb
Motorleistung: 1. Betrachtungsweise: 2. Betrachtungsweise: Durchzug: Drehfreude: Getriebe: Erwähnen sollte man den Segel-Modus im Efficency-Modus. Bis 160kmh kuppelt das Getriebe beim Rollen aus. Das habe ich insbesondere in der Stadt sehr geschätzt. Die Bremswirkung der Motorbremse ist oft zu stark um weite Strecken komplett zu Rollen. Wenn man aber segelt und erst die Motorbremse aktiviert, wenn man es auch im normalen Modus getan hätte kann man extrem entspannt und Effizient dahin gleiten. Zum Verbrauch: Meinen Gesamtschnitt habe ich noch nicht errechnet, da ich noch nicht alle Tankbelege eingetragen habe, aber insgesamt komme ich bei rund 8,5 - 9l Realverbrauch auf ~ 100.000km bei insgesamt sehr zügiger Fahrweise. Für ein Fahrzeug dieser Größe/Gewicht mit nahezu 200PS geht das in meinen Augen absolut in Ordnung! Reichweite: |
Motorleistung: | schwach | stark | |
---|---|---|---|
Durchzug: | unelastisch | elastisch | |
Drehfreude: | zäh | agil | |
Getriebe/Schaltverhalten: | schlecht | gut | |
Verbrauch: | durstig | effizient | |
Reichweite: | gering | hoch |
- + Große Reichweite dank großem Tankvolumen
- + Motor ist sehr leise
- + langer 7. Gang (2.000upm @ 165km/h)
- + Für 4-Zylinder TDI bei 1.9t Fahrzeuggewicht recht fit
- - Der Motor wird aufgrund des Fahrzeuggewichts nicht jedem zusagen
- - Nach knapp 100.000 ist der Motor etwas rauer geworden
- - Getriebe manchmal etwas "aufgeregt"
Fahrdynamik
Der Wendekreis ist für die Fahrzeuglänge sehr gut, in sehr engen Gassen ist man aber schnell aufgeschmissen und muss auch mal zurücksetzen. Der A6 ist halt ein Schiff und nicht für den urbanen Betrieb gedacht und die Suche nach Parklücken gestaltet sich schwierig. Gerade ältere Parkhäuser (am Ende noch mit Randsteinen) werden so zur Herausforderung insbesondere wenn man deine Felgen schonen will. Beschleunigung: Lenkung & Wenigkeit: Bremsen: Der Verschleiß ist in meinem Fall sehr gering - aufgrund von starkem Quietschen wurde die Bremsen vorn und hinten bei 90.000km getauscht. Der Verschleiß lag da bei gerademal ~ 50%. Ich stelle hier aber nicht die Referenz dar, da ich meist außerhalb der Pendlerzeiten sehr lange Strecken zurücklege und praktisch nie Bremsen muss auch wenn ich sehr zügig unterwegs bin. Bei ACC soll der Verschleiß allerdings enorm sein, da der Wagen praktisch permanent auf der Bremse steht. Mir ist allerdings einmal negativ aufgefallen, dass die Bremse angefangen hat zu vibrieren, als ich aus ca. 230kmh bergab auf ca. 100kmh abbremsen musste. Ist allerdings nur einmal aufgetreten. Der Austausch der kompletten Bremse ist ein recht teures Vergnügen und liegt bei rund 1.400 EUR brutto wenn man direkt zu Audi geht. Fahrverhalten & Kurvenverhalten: |
Wendekreis: | groß | klein | |
---|---|---|---|
Beschleunigung: | langsam | schnell | |
Lenkung: | schwammig | direkt | |
Bremsen: | schwach | standfest | |
Fahrverhalten: | unausgeglichen | ausgeglichen | |
Kurvenverhalten: | unsicher | sicher | |
Wendigkeit: | träge | agil |
- + sehr agiles Fahrverhalten dank S-Line-Fahrwerk
- + Bei zügiger Kurvenfahrt fällt Fahrzeuggewicht kaum auf
- + Für das Fahrzeuggewicht überragende Querbeschleunigung möglich
- - Beim Sprint sind 400nm einfach zu viel für die Vorderachse
Komfort
Insgesamt legt der A6 die Messlatte beim Komfort natürlich sehr hoch. Die Sitze sind top (Sportsitze mit Leder-Alcantara), vielseitig verstellbar und bieten dank der verschiebbaren Beinauflage auch großgewachsenen Personen einen hohen Komfort. Gleichzeitig ist der Seitenhalt sehr gut, was durch die Sitzmittelbahn in Alcantara zusätzlich unterstützt wird (nicht so rutschig wie Leder). Auch hinten sitzt man sehr Bequem und die außeren Plätze sind leicht ausgeformt. Es gilt aber unbedingt Probe zu Sitzen - die tiefe Sitzposition im A6 ist nicht jedermanns Geschmack. Innengeräusche: Bedienung: Klimatisierung: |
Federung (sportlich): | schlecht abgestimmt | gut abgestimmt | |
---|---|---|---|
Sitze vorn: | unbequem | bequem | |
Sitze hinten: | unbequem | bequem | |
Innengeräusche: | laut | leise | |
Bedienung: | kompliziert | intuitiv | |
Heizung/Klimatisierung: | schwach | wirkungsvoll |
- + Extrem leise im Innenraum
- + Sehr gute Fahrwerksabstimmung (subjektive Meinung, anderen vlt. zu hart)
- - Pirelli P-Zero 255x40x20 sehr laut
- - Keine Anzeige für Abblendlicht im FIS
- - Bedienung serienmäßige 2-Zonen Klimatronik
Emotion
Design & Temperament: Ich würde ihn mir definitiv wieder genauso bestellen: Schwarz, Exklusive-Glanz-Packet, S-Line. So wird der A6 zur Black Pearl. (Geschmackssache, ich finde ihn so am besten) Was das Temperament angeht ist es schwierig eine Bewertung abzugeben. Der A6 vereint zwei Dinge - einerseits ist er das nahezu perfekte Reiseauto und macht gleichzeitig auf dem Parkplatz eine gute Figur. Es ist einfach ein A6 der seinem Ruf eines erstklassigen Business-Kombis gerecht wird. Daher von mir volle Bewertungszahl ander Stelle, weil er genau das bietet was er verspricht. "Schöne Kombis heißen Avant" und gleichzeitig fährt er sich trotz des immensen Gewichts auch noch ausgesprochen gut und angenehm. Image: Das Image des A6 ist natürlich ein ausgesprochen positives. "Der hat es geschafft." oder "Geile Karre" mag sich so manch einer denken und sagt es auch ABER ganz schnell kommt zu dieser, nicht negativen Form des Neids auch Missgunst dazu. Insbesondere bei mir "Jungspund" unter den A6 4G Facelift Fahrern denken dann viele "jetzt darf er mal die Karre von Papa fahren", "ist doch eh nur n Mietwagen", "Was fürn Prollo", "Soll der erstmal soviel Geld verdienen wie die Karre kostet". Und genau das ist auch gleichzeitig das Problem seines Images. Das ist einfach ein Problem unserer Gesellschaft. Weswegen auch der ein oder andere User im A6 Forum durchblitzen lässt das er bspw. als Handwerks-Meister nicht mit seinem A6 sondern mit dem Caddy zum Kunden fährt. Auch manche Unternehmen haben in der Dienstwagenregelungen entsprechende Restriktionen, was S-Line und große Felgen betrifft. In so manchem Unternehmen ist der A6 unabhängig von den tatsächlichen monatlichen Kosten nur der Chefetage vorbehalten. (bei mir glücklicherweise alles nicht der Fall gewesen, weswegen ich den Genuss hatte mal zwei Jahre einen zu fahren) Zur Klarstellung: Auch für mich als Privatkunde ist der A6 etwas "unerreichbares" (ich könnte mir das vielleicht bis zum Sanktnimmerleinstag ansparen aber ich würde für ein Auto nicht meinen Lebensstil anpassen). Ich gehöre also zu dem Großteil, der den A6 im Auftrag des Arbeitgebers aus dem Werk abgeholt hat und dann fahren durfte |
Design: | langweilig | attraktiv | |
---|---|---|---|
Temperament (komfortabel): | ausbaufähig | realisiert | |
Image: | negativ | positiv |
- + Das Design des A6 erfreudt Autoliebhaber einfach ;)
- - Das positive Image und das Design weckt Neider
Unterhaltskosten
Verbrauch auf 100 km | 8,5-9,0 Liter |
---|
Gesamtfazit zum Test
Wer einen komfortablen, gräumigen Kombi mit sportlichem Touch sucht ist hier gold richtig. Der Motor ist extrem leise und absolut ausreichend im Alltag.
Der A6 (wie auch 5er und E) ist zwar erheblich teurer als andere vergleichbare Fahrzeuge aber er bietet eine gewisse Perfektion. Er kann also nichts wirklich viel besser aber man merkt einfach gewisse Unterschiede die allerdings nicht immer objektiv bewertbar sind.
Jeder weiß, dass die letzten 20% um die Perfektion zu erreichen 80% der Gesamtkosten schlucken. Insofern ist in meinen Augen der Aufpreis für so ein Fahrzeug durchaus auch gerechtfertigt, denn Perfektion kostet Geld "Punkt"
Der Motor ist in dieser Fahrzeugklasse sicher nicht jedermanns Sache.
Hier sollte man eine Probefahrt machen und ggf. zum nächst größeren 3.0TDI mit 218PS greifen.
Je nach Angebot ist der A6 nicht unbedingt günstig. Im Gegenteil - betrachtet man den Bruttolistenpreis bei angeglichener Ausstattung ist er ERHEBLICH teurer als die Konkurrenz. So ist mein jetziger SuperB bei gleicher Ausstattung rund 20.000EUR günstiger. Oder anders herum - der SuperB ist etwas günstiger und bietet mir VIEL MEHR Extras
Man sollte sich einfach ausrechnen, was unter dem Strich steht und was einem wichtiger ist. Die Frage ist: Stehen Punkte wie Perfektion oder Ausstattung und Preisleistungsverhältnis weit oben auf der Prio-Liste.
Wer in seinem Job oder Umfeld auf eine gewisse Außenwirkung angewiesen ist, trifft mit dem A6 eventuell nicht die richtige Wahl. Es gibt bspw. Kunden die sich daran stören, wenn der Wagen des Dienstleisters augenscheinlich mehr wer ist als der eigene - klingt blöd - ist aber so. (sollte man einfach bedenken)