Audi S3 8L 1.8 T Test
26.04.2012 23:26 | Bericht erstellt von jackknife
Testfahrzeug | Audi S3 8L 1.8 T quattro |
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Leistung | 210 PS / 154 Kw |
Hubraum | 1781 |
HSN | 0588 |
TSN | 704 |
Aufbauart | Schrägheck |
Kilometerstand | 211000 km |
Getriebeart | Handschaltung |
Erstzulassung | 1/2000 |
Nutzungssituation | Privatwagen |
Testdauer | einige Monate |
Einleitung
Seit nunmehr etwas über 5000km fahre ich einen kleinen schwarzen S3 8L Vor-Facelift. In dieser Zeit habe ich das Auto kennen und schätzen gelernt. |
Karosserie
Der Kofferraum wird durch den Allradantrieb verkleinert (höherer Kofferraumboden), unter der Abdeckung hat nur noch ein Notrad Platz. Die S3 sind, wie ihre A3-Brüder, dafür bekannt an den Dachkanten und an den Türunterkanten Rost zu bilden. Hier muss rechtzeitig Abhilfe geschaffen werden. Da fast alle äußeren Karosserieteile von denen eines normalen A3 in der Form leicht abweichen ergibt sich eine hohe Kaskoeinstufung! Mit dem Facelift hielten einteilige Xenonscheinwerfer mit integriertem Blinker und geänderte Rückleuchten einzug, meist wurden dann auch Außenspiegel in Chromoptik serienmässig verbaut. |
Platzangebot vorn: | eng | geräumig | |
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Platzangebot hinten: | eng | geräumig | |
Kofferraum: | klein | groß | |
Übersichtlichkeit: | schlecht | gut | |
Qualitätseindruck: | minderwertig | hochwertig |
- + schnittiges Äußeres
- + gutes Platzangebot im Innenraum
- - Rostanfälligkeit exakt dort wo nicht ausreichend ab Werk verzinkt wurde
- - schlechte Übersichtlichkeit durch ausladende Karosserieform
Antrieb
Die Motorleistung von 209PS (Vorfacelift) ist für das Gewicht des Fahrzeugs ausreichend. Der Allradantrieb sorgt für erstklassige Traktion, allerdings wird dies mit einem relativ hohen Verbrauch für den Hubraum erkämpft - selbst bei geringen Geschwindigkeiten ist es schwer dem Kleinen das Saufen abzugewöhnen, bewegt man das Gaspedal nur minimal nach unten zeigt der Bordcomputer sofort Schreckenswerte an. Verglichen mit einem ähnlich ausgelegten Klassiker muss der Audi hier Federn lassen, ein Escort RS Cosworth (ebenfalls ein 3-Türer mit knapp über 200PS und Allrad, wenngleich permanent) beschleunigt in der realen Welt knapp zügiger, ist dank des geringfügig größeren Hubraums auch mit 5 Gängen etwas schaltfauler und somit sparsamer zu fahren und hat vom Fahrgefühl durch den permanenten und somit berechnbaren Allradantrieb eindeutig Vorteile, gerade für unerfahrene Fahrer - auch ohne ESP. (kein Wunder dass die Cossis, besonders unverbastelt, immernoch so hoch gehandelt werden) Mit dem S3 findet man sich im Stadtverkehr für gemütliches Mitschwimmen oft schon im 5. Gang wieder. |
Motorleistung: | schwach | stark | |
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Durchzug: | unelastisch | elastisch | |
Drehfreude: | zäh | agil | |
Getriebe/Schaltverhalten: | schlecht | gut | |
Verbrauch: | durstig | effizient | |
Reichweite: | gering | hoch |
- + drehfreudiger Motor
- + angenehmer Antritt ab 3000u/min
- + gute Traktionsumsetzung dank Allrad
- - für den geringen Hubraum relativ durstig
- - ein Tankinhalt von 60 Litern bedeutet kaum 600km Reichweite bei vorsichtiger Fahrt
Fahrdynamik
Im Kapitel Fahrdynamik schlägt die Stunde des Allradantriebs. Wenngleich durch das Fronttrieblerkonzept der Wendekreis keine Medallien gewinnt so kommt der S3 doch recht fix aus dem Quark (Werksversprechen werden aber ohne Modifikation nicht erreicht, auch mit frischeren Fahrzeugen als meinem nicht). Das Fahrverhalten ansich ist sicher und hat in der Regel besonders in Kurven mehr Reserven als der Fahrer. Bisher habe ich das Stabilitätsprogramm erst ein einziges Mal in Aktion erlebt, und das bei Nässe. Man muss schon groben Bockmist bauen um den S3 aus der Ruhe zu bringen, Richtungswechsel setzt er dabei zackig um wie ein Hase auf der Flucht. |
Wendekreis: | groß | klein | |
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Beschleunigung: | langsam | schnell | |
Lenkung: | schwammig | direkt | |
Bremsen: | schwach | standfest | |
Fahrverhalten: | unausgeglichen | ausgeglichen | |
Kurvenverhalten: | unsicher | sicher | |
Wendigkeit: | träge | agil |
- + Sehr gutes Kurvenverhalten
- + gute Rückmeldung vom Fahrzeug
Komfort
Das S-Fahrwerk ist ab Werk etwas polterig, erlaubt aber ein sicheres Fahren. Die vorderen Sitze sind hervorragend, elektrisch verstellbar mit Lendenwirbelstütze und ausreichend Seitenhalt, aber trotzdem bequem. An der Bedienung gibts es nichts auszusetzen, beim Vorfacelift sind die Tasten noch etwas größer und auch mit Handschuhen im Winter gut zu bedienen. |
Federung (sportlich): | schlecht abgestimmt | gut abgestimmt | |
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Sitze vorn: | unbequem | bequem | |
Sitze hinten: | unbequem | bequem | |
Innengeräusche: | laut | leise | |
Bedienung: | kompliziert | intuitiv | |
Heizung/Klimatisierung: | schwach | wirkungsvoll |
- + sehr angenehme Sitze vorne
- + Einfache Bedienung aller Instrumente
- - relativ laute Innengeräusche durch Reifen und Wind an der Karosserie
Emotion
Zusammengefasst ist der S3 8L ein schickes, sportliches Fahrzeug was keineswegs eine Langweiligkeit wie so manches normale Fahrzeug desselben Zeitraums von Audi ausstrahlt. Ich würde ihm vom reinen Ambiente sogar ein sportlicheres Gefühl als dem S4 B5 attestieren. Das Styling hätte aber in diesem Zusammenhang noch etwas optimiert werden können, ein wenig mehr Aggressivität statt Rundungen hätte gutgetan. Kleine Details wie die geänderten Instrumente oder aber auch die Türabschlußleisten runden ein positives Gesamtbild ab. |
Design: | langweilig | attraktiv | |
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Temperament (sportlich): | ausbaufähig | realisiert | |
Image: | negativ | positiv |
- + dezentes, aber sportliches Styling
- + ohne S3-Markierungen für die meisten Verkehrsteilnehmer kaum vom A3 zu unterscheiden, fast schon ein Sleeper
Gesamtfazit zum Test
Der S3 8L ist auch aufgrund seiner geringen Stückzahl ein kommender Klassiker. Gepaart mit seinem guten Fahrverhalten und - bei regelmässiger Wartung (kein Longlife-Intervall und vernünftiges Öl, sowie regelmässiger Wechsel des Haldexöls und -filters) - einer langen Haltbarkeit ist es ein kompaktes Fahrzeug was sowohl einen praktischen Alltagsnutzen hat als auch eine gewisse Sportlichkeit und Fahrsicherheit vermittelt.
Alles in allem hat man hier ein Komplettpaket was fast keine Wünsche offenlässt. Die reichhaltige Serienausstattung sorgt dafür dass man in fast keiner Kategorie dem Wunsch der Nachrüstung verfällt.
Es bleibt zu hoffen dass möglichst viele unverbastelte Exemplare den Weg in die Zukunft finden.
Beim Gebrauchtfahrzeugkkauf sollte man UNBEDINGT darauf achten wie der Vorbesitzer den Wagen behandelt hat, am Besten ihn selbst erstmal kommentarlos fahren lassen. Fährt er das Öl nicht erst behutsam warm bevor er den Motor über 3000 Touren drehen lässt dann Finger weg, so gut der Rest auch aussehen mag. Turbolader und Motorprobleme bedeuten teuere Reparaturen!
Wenn man ein geringes Budget hat sollte man den S3 aus der eigenen Auswahlliste streichen. Der Verbrauch ist bei unvorsichtiger Benutzung des Gaspedals enorm, einige Spezielle Ersatzteile (Karosserie, Zweimassenschwungrad Kupplung z.B.) sind sehr teuer.
Bei nicht regelmässiger Einhaltung der Wartungsintervalle oder Vertrauen auf den Audi-Longlife-Service sind Folgeschäden nicht auszuschließen, insbesondere verreckte Turbolader und Probleme mit dem Zahnriemen (das Wartungsintervall wurde von Audi verkürzt, nicht den Angaben im evtl. veralteten Handbuch vertrauen!).
Für Leute, die sparsam und relativ flott mit einem A3 unterwegs sein wollen ist ein 1.8T ohne Allrad sicherlich eine gute Alternative (weniger Leistung, aber auch weniger Gewicht)