VW T3 Campingbus 1.6 D Test
31.07.2011 22:56 | Bericht erstellt von papajan
Testfahrzeug | VW T3 Kombi (253) 1.6 D |
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Leistung | 50 PS / 37 Kw |
Hubraum | 1570 |
HSN | 0600 |
TSN | 532 |
Aufbauart | Van |
Kilometerstand | 266700 km |
Getriebeart | Handschaltung |
Erstzulassung | 9/1982 |
Nutzungssituation | Privatwagen |
Testdauer | mehr als 5 Jahre |
Einleitung
Testbericht ist von 2011 - im Herbst 2014 wurde er aktualisiert. |
Karosserie
Das Platzangebot ist super, die Rundumsicht ebenfalls. In diesen Camper passen innen noch locker 2 Fahrräder rein. Sperrige Balken, Matratzen oder ähnliches - keine Transportprobleme. Man gewöhnt sich daran und muss umdenken, wenn man umständehalber einen kleineren PKW fährt... 2011 wurde der Bus abgemeldet, um die Arbeiten durchzuführen. Daher auch die Fotos über die Durchrostungen links. Rechts sah es mindestens genau so übel aus. Es gab extrem viel verborgenen Rost. Der Umfang der Arbeiten, die im Freien unter einer Plane stattfanden, überstieg bei weitem meine Erwartungen. Alle entrosteten Stellen und eingeschweißten Bleche habe ich nach Möglichkeit anschließend mit einer dicken Schicht Hohlraumversiegelung versehen. Die Innenseite der Bleche habe ich komplett mit Extrem-Isolator ausgekleidet und (Wichtig) mit Folie eine Dampfsperre davor gezogen, dass sich kein Kondenswasser mehr bilden kann. Damit hoffe ich den von innen kommenden Rost gut bekämpft zu haben. |
Platzangebot vorn: | eng | geräumig | |
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Platzangebot hinten: | eng | geräumig | |
Kofferraum: | klein | groß | |
Übersichtlichkeit: | schlecht | gut | |
Qualitätseindruck: | minderwertig | hochwertig |
- + Sehr viel Platz, stabile Karosse (gute Werte bei Chrashtests - Damals!)
- - Durchrostungen, Fugenrost
Antrieb
Hochdach-Camper: Der T3 Bus ist mit dem 50PS Dieselmotor absolut untermotorisiert und so lahm, dass man auf der Autobahn schon an geringeren Steigungen bei anderen Verkehrsteilnehmern für große Aggressionen sorgt. Die Maschine dreht bei 100km/h ca 4500 U/Min. Daher ist Tempo 90 angesagt. Öltemperatur ist dann max. 110 Grad. Wenn man die kalte Maschine ruhig warmfährt und sich auf 90 als Höchstgeschwindigkeit beschränkt, halten die kleinen Motoren überraschend lang. Tritt man sie, ist bald Schluss... Mein nächster Bulli wäre mindestens ein Turbodiesel - sicherheitshalber mit Ölkühler. |
Motorleistung: | schwach | stark | |
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Durchzug: | unelastisch | elastisch | |
Drehfreude: | zäh | agil | |
Getriebe/Schaltverhalten: | schlecht | gut | |
Verbrauch: | durstig | effizient | |
Reichweite: | gering | hoch |
- + Spritverbrauch
- - Lahm und laut
Fahrdynamik
Diese 82er Ausführung hatte keinen Bremskraftverstärker. Man musste ganz schön "reintreten". Im Zuge der Überholung habe ich einen BKV nachgerüstet. |
Wendekreis: | groß | klein | |
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Beschleunigung: | langsam | schnell | |
Lenkung: | schwammig | direkt | |
Bremsen: | schwach | standfest | |
Fahrverhalten: | unausgeglichen | ausgeglichen | |
Kurvenverhalten: | unsicher | sicher | |
Wendigkeit: | träge | agil |
- + Wendig
- + Optimale Abmessungen
- - Hochdach windempfindlich
Komfort
Die Seriensitze sind von guter Qualität, aber alt und ziemlich durchgesessen. Werde sie überholen oder etwas anderes finden müssen. |
Federung (komfortabel): | schlecht abgestimmt | gut abgestimmt | |
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Sitze vorn: | unbequem | bequem | |
Sitze hinten: | unbequem | bequem | |
Innengeräusche: | laut | leise | |
Bedienung: | kompliziert | intuitiv | |
Heizung/Klimatisierung: | schwach | wirkungsvoll |
- + Überblick, man sitzt hoch
- - Motorlärm, Heizung
Emotion
Der schwache Motor bewirkt eine langsame Fahrweise und eine "Entschleunigung". Autos waren für mich immer nur Mittel zum Zweck, von A nach B etc - bis ich mir diesen Bus zulegte!! |
Design: | langweilig | attraktiv | |
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Temperament (komfortabel): | ausbaufähig | realisiert | |
Image: | negativ | positiv |
- + Man fährt irgendwie immer in den Urlaub
Unterhaltskosten
KFZ-Steuer pro Jahr | 100-200 Euro |
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Verbrauch auf 100 km | 8,5-9,0 Liter |
Inspektionskosten pro Jahr | 100-300 Euro |
Gebrauchtwagengarantie | keine vorhanden |
Werkstattkosten pro Jahr | 200-500 Euro |
Versicherungsregion (PLZ) | 6800 |
Haftpflicht | 200-300 Euro (55%) |
Außerplanmäßige Reparaturkosten | Sonstiges - 2x gebraucht- Motor , Nachrüst-Kat (1800 €) |
Gesamtfazit zum Test
Am T3 Bus kann man als begabter Laie schon viele Reparaturen selbst durchführen und sich sozusagen "weiterbilden". Eigentlich gibt es fast nichts, was man nicht auf dem Hof in ein, zwei Tagen reparieren kann: Motortausch, Kopfdichtungsreparatur, Kupplungswechsel, Bremsen etc. Noch gibt es günstig Ersatzteile, eine große Bulli-Gemeinde, die mit Rat und Tat hilft, gute Reparaturleitfäden und wie gesagt - die Technik ist überschaubar.
Die Überholung dieses stark rostigen Bullis war allerdings ein arbeitsintensives Riesenprojekt (Beginn 09/2011, 09/2014 bis auf Kleinigkeiten fertig, Arbeiten in der Freizeit, im Freien. Ziel: Rostentfernung so gut wie möglich, Fahrwerk überholen, Bremskraftverstärker nachrüsten und H-Kennzeichen erhalten). Die Überholung hat ca. 3500€ Material und mehr als 800 Arbeitsstunden gekostet.
Wer nicht schrauben kann, Öl und Wasser (und entsprechende Flecken unter dem Auto) nicht im Blick hat, wird sehr viel Geld in Werkstätten lassen, denn "irgendwas ist immer".
Wers schnell liebt und dabei leise - sitzt hier im falschen Auto.
Wer für fast kein Geld Auto fahren möchte - kann Glück haben und lange Zeit von der robusten Technik profitieren - aber genauso gut Pech haben und ein Schaden jagt den nächsten.
Beim Kauf sollte man sich unbedingt vorher aus den VW-Bus-Foren im Netz die Kaufberatungen besorgen und sich speziell über die Roststellen kundig machen, denn hier wird es am teuersten. Und Vorsicht bei Nachlackierungen - NUR mit einer guten, aussagekräftigen Dokumentation, aus der hervorgeht, welche Rostbekämpfung und -Vorsorge durchgeführt wurde.
Plakettenproblematik: Grüne Plakette wird schwierig und teuer. Lösung: Teure Kat-Nachrüstung oder H-Kennzeichen bei entsprechendem Zustand.
Thu Nov 13 19:22:59 CET 2014 |
der-fernlenker
Hallo papajan,
KLASSE sehr guter Bericht - gerade die Rostbeschreibung!
Design, Temprament und Image stimme ich Dir voll zu.
Fugenrosten kann man nur verhindern, in dem man von INNEN !
mit einer FETTEN Schicht Wachs versiegelt. Sonnst kommt der Rost immer wieder durch.
viele Grüße
Stefan
Fri Nov 14 18:51:37 CET 2014 |
papajan
Danke für Dein nettes feedback! Und ja, die entrosteten Stellen hab ich anschließend überfett mit Hohlraumversiegelung versehen. Ich ergänze das noch in dem Bericht...
Gruß Jan
Fri Nov 14 19:34:48 CET 2014 |
der-fernlenker
Hallo Jan,
JA! klasse wie und was Du gemacht hast!
musst Du ja dann auch nicht noch mal machen
sag, war die die 2-Farben-Originallackierung wichtig für das H-Kennzeichen?
hast Du vorher mit dem TÜV Prüfer verhandelt?
ich denke immer "zeitgemäß" müsste auch reichen?
ich finde die Art sehr gelungen und würde bei meinem lieber dunkelblau
statt gelb nehmen
was ist KS-Dunni?
echt klasse!
viele Grüße
Stefan
Sat Nov 15 11:54:24 CET 2014 |
papajan
KS dunni ist der Lack vom Korrosionsschutz-Depot. Ich hab da den ganzen Kram gekauft (Brantho Korrux, Fluidfilm Owatrol etc). Der Online Katalog ist sehr gut, auch mit guten Arbeitsanleitungen.
TÜV: Ich hab wegen der Farbe nicht gefragt, weil der Bus schon so war und mir das auch gefällt.
Ich bin zu dem Tüv gegangen, zu dem ich immer gehe, und der verantwortungsvoll, aber nicht erbsenzählermäßig unterwegs ist. So Leute gibts ja gottseidank auch. Habe daher nicht vorher nachgefragt. Es gab Probleme mit den Bremsen, wegen der langen Standzeit, wir haben alle aufgemacht und alles gereinigt und gängig gemacht, mussten nichts erneuern. Beim 2ten Durchgang war ich durch. Der verbaute 1,6 Golf Motor war z.B. kein Thema. War mir aber egal, hätte noch einen CS eingelagert, oder ich hätte den CR aus dem Golf halt eingetragen.
Ich denke aber wie Du, dass "zeitgemäß" langt, sollte halt dem Anforderungskatalog für die Begutachtung von Oldtimern entsprechen - was aber auch wieder teilweise Auslegungssache ist.
Wenn Du Dir unsicher bist oder es Besonderheiten gibt - besser vorher klären!
Gruß Jan
Wed Apr 22 01:36:20 CEST 2015 |
papajan
Inzwischen gibt es vom TÜV SÜD einen neuen Anforderungskatalog für Oldtimer...Hier der Link zum thread.
Sat Jun 04 12:23:51 CEST 2022 |
papajan
Inzwischen hab ich einen JX Turbodiesel mit 69 PS verbaut, was das bergauf-Fahren doch erleichtert. Verbunden mit der 4-Gang Schaltung ist es aber immer noch nicht so toll. Vielleicht mache ich mir noch ein 3H 5-Gang Getriebe rein.
Wed Mar 01 22:34:39 CET 2023 |
papajan
Das 4-Gang Getriebe hat nicht lange gehalten. Ich habe es durch ein 3H Getriebe ersetzt, das fährt sich viel besser. Der Bus ist immer noch kein Rennwagen, aber das "Turboloch" des 4-Gang Getriebes gibt es beim 5-Gang nicht.
Die geschweißten Stellen sind nach 9 Jahren immer noch nicht auffällig. Ich habe dafür frühzeitig andere kleine Rostnester gefunden, die ich ohne Schweißen beheben konnte. Wenn man imer schön ein Auge drauf hat, was sich so tut, erkennt man frühzeitig Probleme und kann sie rechtzeitig angehen.
Problematisch werden irgendwann die Dachrinnen, da Hochdach ist ja aufgeklebt und darunter rostet es, was man an den Endspitzen der Dachrinnen und auch an einigen kleineren Stellen im Rinnenverlauf sehen kann. Außerdem gibt es rechts und links an den A-Säulen Roststellen, auch hier vermute ich, dass die Wasserquelle im Inneren vom Dach herkommt. Hier betreibe ich etwas Kosmetik, den großen Rundumschlag möchte ich lieber "aussitzen". Beim Kauf eines T3s sollte man aber den Dachrinnen besondere Aufmerksamkeit widmen.
Jedenfalls tut der Bus weiterhin zuverlässig seinen Dienst, ganzährig und im Alltagsbetrieb - inzwischen allerdings mit 4500 km in 1922 doch stark reduziert, weil ich nicht mehr so viel fahre.