Klein, eng, teuer. Es gibt viele Argumente gegen den BMW 1er, aber mindestens ein gutes dafür: Agilität. Problemlos ist der kleine BMW als Gebrauchter allerdings nicht.
Berlin – Mit dem 1er brachte BMW 2004 ein viel beachtetes Modell auf den Markt: Hinterradantrieb bei einem Kompakten. Das war weder neu noch innovativ, die Kombination schon in den 70ern und 80er Jahren weit verbreitet. Nur: In den 2000er hat sich das kein anderer Hersteller mehr getraut. Sportliche Kompakte mit Allrad, das ja – aber keinen mit reinem Hinterradantrieb. Die ersten Modelle sind inzwischen 13 Jahre alt, die jüngsten Exemplare des E87 (Fünftürer) und E81 (Dreitürer) immerhin vier Jahre. Ein paar Kinderkrankheiten schleppte der 1er mit sich herum, doch die Basis gilt als solide. Das BMW-1er-Forumauf MOTOR-TALK und speziell das Forum zur ersten Generation geben einen guten Überblick über die Macken und Marotten dieses BMW. Wir gehen auf die wichtigsten und häufigsten ein. Historie | ModellwechselFahrzeuge der Kompaktklasse sollen viel Platz bieten, praktisch und einfach zu fahren sein. Dafür ist der Frontantrieb ideal. BMW hielt beim 1er am Hinterradantrieb fest. Die Vorteile aus fahrdynamischer Sicht sind klar: Der Antrieb ist von der Lenkung entkoppelt, kann nicht daran zerren. Das Auto wird durch die Kurve geschoben. Das Gewicht verteilt sich ausgewogener auf die Achsen und die angetriebene Achse wird beim Beschleunigen auf die Straße "gedrückt". Heißt: Mehr Grip. Ab 2003 musste der 1er öfter für Rückrufe in die Werkstatt - vielleicht etwas zu oft: Bei Fahrzeugen mit Dieselmotor, gebaut zwischen März 2003 und März 2005, kann wegen einer defekten Schraube des Generators der Riemenantrieb ausfallen. Bei Dieselfahrzeugen bis März 2007 besteht die Gefahr, dass die Einspritzdüsen brechen können. Benziner, gebaut zwischenJuni 2005 und Dezember 2010, haben Probleme mit ausfallenden Zündspulen. Dazu gab es beim 3,0-Liter-Benziner Probleme mit der Motorsoftware, Ausfall der LED-Rückleuchten, der Dieselfilterheizung im Dauerbetrieb und der Lenkunterstützung. Diesel-Fahrzeuge aus dem Bauzeitraum März bis November 2009 können durch eine überhitzte Kraftstofffilterheizung abbrennen. Bei den Benzinern (2009-2011) kann dagegen die Befestigungsschraube für die Vanos-Steuerung abbrechen. Bei allen Fahrzeugen zwischen Dezember 2010 und Juni 2011 können die elastischen Gelenkscheiben an den Gelenkwellen brechen. Die lange Liste zeigt: Der 1er ist kein einfacher Kandidat. Alle Rückrufaktionen müssen durchgeführt und belegbar sein. Ansonsten: Finger weg und lieber weitersuchen. Platzangebot | Karosserie Der Dreitürer kann genauso viel einladen, der Zustieg auf die Rückbank gestaltet sich schwierig. Das Coupé ist hinten deutlich enger. Mehr Spaß als Nutzen ist die Devise. Also ergeben starke Benzinmotoren Sinn. Der Kofferraum schluckt immerhin zwischen 325 und 650 Liter. Ins Cabrio passen 265 Liter. Nur was für Genießer also. Das Blech des BMW scheint solide. Auffällige Rostprobleme an der Karosserie kennen weder die MOTOR-TALKer noch der TÜV. Dagegen beklagen sich einige Fahrer über Knacken, Knistern und Scheppern der Karosserie. Zum Beispiel an den an den vorderen Türen, wie Specter0070 bemängelt. Mit dem Austausch der Gummidichtung an Türen und Fenstern dürfte das Problem aber behoben sein. Spiti01 meint dazu: „Die Geräusche werden durch ungünstige Reibpaarungen zwischen Türdichtung und Karosserie verursacht, die wiederum durch die - teilweise sehr heftigen - chemischen Zusätze in Waschanlagen hervorgerufen werden.“ Cabrio-Fahrer berichten ebenfalls über klappernde Geräusche und knisternde Dächer. Motor | GetriebeBMW bot verschiedene Vier- und Sechszylindermotoren als Benziner und Diesel für den 1er an, davon allein sieben Ottovarianten mit insgesamt elf Leistungsstufen: Vom 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit anfangs 115 PS bis zum M Coupé mit 340 PS. Die Leistung bei den Dieseln reicht von 116 PS beim 116d bis zum 123d mit 204 PS, dazwischen liegen der 118d (anfangs 122 PS, ab 2007 143 PS) sowie die Allzweckwaffe 120d mit 163 PS bzw. 177 PS. Doch die Motoren laufen nicht sorgenfrei: Probleme bereiten ihnen die Steuerkette, wie Amin116d mit dem Motor N47 erfahren musste. Es beginnt mit einem leisen Schaben und wird dann lauter. Schiene und Steuerkette müssen gewechselt werden. Doch das Problem kann wieder auftreten, wie CelicaST185 meint: „es wurde uns gesagt, dass es sein kann, dass es wieder kommt und das sich der Reparaturumfang ständig ändern würde, je nach Erkenntnis der ganzen Fälle.“ BMW hat für die Werkstätten eine Reparaturanleitung herausgegeben. Auch bei den Benzinern machen sich häufig die Steuerketten selbstständig, wie J.Preston meint: „Beim 116i mit dem N45B16-Motor (bis Anfang 2007 verbaut) kann es passieren, dass die Steuerkette überspringt. Hier sollte jedoch i. d. R. ein Übersprungschutz nachgerüstet worden sein.“ Auch die frühen N43-Motoren des 116i und 118i können Probleme bereiten. Ob die Steuerkette schon rasselt, hört man am besten nach dem Kaltstart. Ruckelt der Motor oder hat Leerlaufschwankungen, liegt womöglich schon eine lockere Steuerkette vor. Ebenfalls auffällig bei dem Motor: Injektoren, Zündspulen, HD-Pumpe und NOx-Komponenten. BMW_verrückter empfiehlt den mittleren Dieselmotor 118d: „M47TÜ2-Motor ist sehr gut, nur beim 118d und auch 120d besteht die Gefahr, dass der Turbolader den Geist aufgibt nach einer gewissen Laufleistung“. Das Problem mit der Steuerkette betreffe 122-PS-Diesel nicht, schreibt er. Erst die ab 2007 angebotenen 118d und 120d mit 143 PS oder 177 PS hätten hier Schwierigkeiten (Motorkennung: N47D20). Die Frage nach Schalter oder Automatik-Getriebe stellt sich aktiven 1er-Fahrern nicht. Das manuelle Getriebe muss sein: eng gestuft und straff abgestimmt, besser geht es nicht. Fahrwerk | FederungBei den ersten 1er-Modellen hat es BMW ein bisschen übertrieben und Härte mit Sportlichkeit verwechselt. Ab dem Facelift federt der Kompakte besser. Das Problem beim BMW ist aber eher der Fahrer als das Auto. Viele Fahrzeuge wurden sportlich bewegt, dementsprechend verschleißen Bauteile schneller. Laut TÜV-Report machen die Spurstangenköpfe bei älteren Fahrzeugen schneller schlapp als bei vergleichbaren Modellen. In Verbindung mit dem Sportfahrwerk wurde der 1er nicht nur straff und sportlich, sondern für den Alltag zu hart. Kommen noch große Räder dran, leidet nicht nur der Gesamtkomfort, sondern die ganze Karosserie. Doch besonders auffällig scheint das Fahrwerk nicht zu sein: „Der 1er hat keine spezifischen Probleme, wie z. B. Querlenker (Dreieckslenker beim E46) oder so. Einfach alles checken samt Fahrwerk, Geräusche, Knacken etc. :)“, schreibt BMW_verrückter. Ausstattung | SicherheitDie Serienausstattung des 1er ist nicht üppig, kann sich aber sehen lassen. Für Sicherheit sorgen unter anderem ABS, Bremsassistent und Cornering Brake Control, ESP, DSC bzw. DTC, sechs Airbags und Gurtstraffer. Isofix-Sicherungspunkte befinden sich an den hinteren Außensitzen, eine weitere Befestigung für den Beifahrer kostet extra. Die Liste an Extras ist BMW-typisch lang. Ein paar interessante technische Sonderausstattungen fasst BMW in Paketen zusammen. Die heißen Advantage, Comfort und Dynamic - Autos, die alle drei haben sind ordentlich ausgestattet. Einige MOTOR-TALKer empfehlen das Sportfahrwerk und Sportsitze, Multifunktionslenkrad und 17-Zoll-Räder. Die Radios galten schon Anfang 2010 als nicht mehr ganz zeitgemäß. Marktsituation | Preise Fazit | EmpfehlungNach Meinung der MOTOR-TALK-Community sind ein paar Motoren wegen der Steuerketten-Problematik zu meiden. Oder nur für versierte Käufer nach eingehender Probefahrt eine Option. Bei den Dieseln kann man vor allem bei der 122-PS-Variante (vor dem Facelift) recht bedenkenlos zugreifen. Unsere Wahl wäre ein möglichst kräftiger Motor als Fünftürer. Ein Modell nach dem Facelift von 2007 mit normalen 17-Zoll-Rädern ohne M-Paket oder Sportfahrwerk wäre sinnvoll. Natürlich als Handschalter. Denn ein bisschen Spaß muss beim Hecktriebler schon sein. |
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