Opel-Sparplan für Anfang November erwartet
Opels Streichliste wird offenbar lang
100 Tage hat Opel Zeit, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. In der zweiten Novemberwoche läuft die Frist ab. Zu den Opfern gehören offenbar zwei SUV-Modelle.
Rüsselsheim - Als Marathonläufer sollte Ex-Opel-Chef Karl Thomas Neumann einigen Sportsgeist besitzen. Dass er wenige Wochen nach seinem Abgang Aussagen des neuen neuen Konzern-Eigners PSA als "arrogant" bezeichnet, lässt auf verletzten Stolz schließen - oder auf echte Sorge um die Traditions-Automarke mit dem Blitz.
In der zweiten Novemberwoche 2017 wird Opel ein Sanierungskonzept für die Firma mit rund 38.000 Beschäftigten vorlegen. Wie diverse Medien berichten, wird es dabei wohl zur Sache gehen. "Allen muss klar sein, dass der Status quo bei Opel keine Option ist", hat PSA-Chef Carlos Tavares unter anderem im "Welt"-Interview gesagt, das offenbar Neumanns Nerv getroffen hat.
Konkrete Aussagen zu Job-Streichungen oder gar Werksschließungen hat der drahtige Portugiese bislang vermieden. Offiziell soll ohnehin der neue Opel-Chef Michael Lohscheller über die konkreten Schritte entscheiden, doch die Franzosen halten sich mit ihren grundsätzlichen Einschätzungen nicht zurück.
Opel belastet CO2-Schnitt von PSA
Bei seinem Auftritt auf der Messe IAA mäkelte Tavares zunächst an den hohen Kosten für den Opel-Stand herum, wurde aber schnell grundsätzlicher: Die Fabriken der einstigen General-Motors-Tochter seien nicht effektiv genug und erfüllten die eigenen Vorgaben nicht. Auch sei die CO2-Strategie mit dem allein stehenden Elektro-Auto Ampera-E gescheitert.
PSA hat Plattformen entwickelt, die ohne große Umbauten wahlweise mit Verbrennern, Hybriden oder reinen Elektro-Motoren ausgestattet werden können. Bis 2023 sollen vier von fünf PSA-Modellen elektrisch sein. Opel müsse schneller auf diese Strategie einschwenken, um die ab 2021 schärferen Vorschriften zum Flottenverbrauch einzuhalten und hohen Geldbußen seitens der EU zu entgehen. Opel hatte zuletzt einen Flottendurchschnitt von 127 Gramm CO2. Bei PSA liegt er nach eigenen Angaben bei 101 Gramm. Zielwert 2021 für PSA inkusive Opel: 92,6 Gramm.
Der Technologietransfer von PSA zu Opel läuft also bereits auf Hochtouren. Schon vor der Übernahme haben die beiden Hersteller zusammen Autos gebaut, die nun im Opel-Portfolio zu den profitableren gehören. "Unsere Entwicklungsteams arbeiten hervorragend zusammen und beschleunigen den Transfer", heißt es in einem der "Mainzer Allgemeinen Zeitung" vorliegenden Brief, mit dem Lohscheller die Belegschaft auf den "Zukunftsplan" einschwören will.
6.000 Opelaner zu viel?
Aus Lizenz- und Kostengründen wird Opel versuchen, den Anteil an Technologie der alten Mutter General Motors (GM) möglichst schnell zu senken. Der nächste Corsa wurde bereits auf eine PSA-Basis umgeplant. Nach Informationen des "Manager Magazin" sind auch ein direkter Mokka-X-Nachfolger sowie das geplante große SUV auf Insignia-Basis gestrichen.
In Sachen Jobs wurden bisher weder Tavares noch Lohscheller konkret. Details sollen wohl erst Mitte November veröffentlicht werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich die französischen Effizienz-Vorgaben näher angeschaut. Er kommt zu dem Schluss, dass Opel mindestens 6.000 Beschäftigte zu viel an Bord hat, sofern man PSA-Produktivitätsmaßstäbe anlegt.
Auch eine weitere Zahl könnte für unruhige Nächte in Rüsselsheim sorgen: Zwischen 2011 und Ende 2016 hat PSA unter der Führung von Tavares und seiner Vorgänger 33.000 Jobs gestrichen. Die Belegschaft wurde um mehr als ein Viertel auf noch knapp 90.000 Leute reduziert. Das war der Hauptschlüssel zur Produktivität der PSA-Einheiten.
In England wird bereits gestrichen
Die rund 19.000 deutschen Opel-Jobs sind bis Ende 2018 tarifvertraglich geschützt. Bei der britischen Schwester Vauxhall wurde ein Stellenabbau von 25 Prozent der rund 1.600 Beschäftigten im Astra-Werk Ellesmere Port, unter anderem mit Abfindungen, bereits bestätigt. Britische Analysten wie Evercore gehen bereits von einer Schließung in Ellesmere Port und bis zu zwei weiteren Opel-Werken in Europa aus, sollte PSA nicht zusätzliche Kapazitäten für seine anderen Marken benötigen.
Bei der IG Metall und dem Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug kommen solche Szenarien gar nicht gut an. Die Arbeitnehmervertreter haben sich entschieden, den Umbau des Unternehmens möglichst konstruktiv zu begleiten. Sie hoffen auf Wachstumschancen mit kostengünstiger produzierten Autos.
Für viele Opelaner sind die wahren Verantwortlichen für die Produktivitätsnachteile bei der ungeliebten Ex-Mutter in Detroit zu finden. "Ursache sind insbesondere die überkomplexen GM-Plattformen, auf denen die Fahrzeuge stehen, und die überzogenen GM-Prozessvorgaben für die Werke. (...) Opel war immer die Tochter der Konzernmutter, die über 80 Prozent der Entscheidungen von Opel in Detroit getroffen hat", schreibt Schäfer-Klug. Bleibt zu hoffen, dass die neue Mutter weiser agiert.
Quelle: dpa
Hi
Dieser Deal wird der Sargnagel für Opel wie wir es kennen. Daran gibt für mich mehr denn je überhaupt keinen Zweifel mehr. Wenn es Opel in ein paar Jahren überhaupt noch gibt (was ich bezweifle), werden das 100% PSA Techniktwins ohne Opelseele sein.
Gruß Hoffi
eine satellitenmarke wie sie schon andere konzerne haben. vielleicht besser so.
Damit wird es wohl mein letzter neuerer Opel sein den ich gekauft habe. Nen verkleideten Franzosen würde ich nicht kaufen. Schade naja, es gibt ja noch viele schöne Modelle die wirklich Opels sind, somit wird das alter meiner Fahrezuege wohl eher höher werden da ich ab den PSA Modellen nichts mehr kaufen werde sondern lieber alte gebrauchte Opels.
Na wenn das mal gut geht. Tut mir für die ganzen Beschäftigten leid, die möglichwerweise gehen müssen... 🙁
Sehr schade,
Die Fahrzeuge wie der Astra und der Insignia sind momentan wirklich gut.
Andererseits muss ich auch sagen, das die Sachen von PSA bisher nicht so schlecht waren, gegen Franzosen habe ich nichts direkt. Solange da nicht VW drauf steht, ist alles gut.
Nur bei Engländern und Franzosen muss man halt stellenweise etwas quer denken ;-).
Worin besteht die "Opelseele"? Jetzt sind es GM-Techniktwins. Was ändert sich also?
Ist ja mehr wie bei AirBerlin ich bin mal gespannt da die Gelben in der Regierung nicht viel übrig haben für die Arbeiter.
Politik und Wirtschaft sollte so wenig eng wie möglich Verknüpft sein. Wie man es nicht machen sollte haben wir auf deutschem Boden bereits gesehen.
Und woran machst du das fest?
Ohne diese Verknüpfung hätte es den Aufschwung weder hier noch in Asien je gegeben weil das denken von Wahl zur wahl doch noch immer wesentlich länger ist als von Quartal zu Quartal.
Ist ja nicht das erste Unternehmen, welches tausende von Arbeitnehmern in die Arbeitslosigkeit schickt, um profitabler zu werden und dann dem Verantwortungsträger die Taschen so vollstopft, dass man locker die Hälfte der Arbeiter hätte weiterbeschäftigen können.
Wobei die Opel-Leute wohl eh Hornhaut auf den Emotionsarealen des Gehirns haben dürften. Eisenach stand ja scheibar bei jeder halbwegs wichtigen Entscheidung auf der Kippe. Nun vermutlich wieder, wobei man ja dank niedriger Ostlöhne ein wichtiges Ass im Ärmel hat ..
Mal sehen das was dabei rauskommt, das da einige ihren Job verlieren wird wohl nicht ausbleiben wenn das Unternehmen auf Dauer gut laufen soll, und das Überkapazitäten verringert werden das muss einen nicht wundern.
PSA sichert ja bereits Arbeitsplätze bei Opel. Der Citroen C3 Aircross wird ja im Opel-Werk in Saragossa gebaut und gibt zahlreichen Opel-Leuten Brot und Arbeit.
Und dies wird mit Sicherheit nicht der letzte Citroen/Peugeot/DS sein, der bei Opel gebaut wird. Also woher die Schwarzseherei?
Aber wenn pro PSA-Arbeiter 35 Autos gebaut werden und bei Opel nur 30, dann muss man eben gewisse Anpassungen vornehmen. um die Arbeitsplätze zu erhalten und später evtl. sogar entstehen zu lassen.Arbeitsplätze entsehen aber nur dort, wo Gewinne gemacht werden können.
Zur Opel-Seele.
Opel ist zur Zeit ein Gemischtwarenladen mit Autos und Motoren von allen möglichen Fremdmarken - mit Opel-Zeichen drauf. Dies soll sich jetzt ändern. PSA wird sicher Opel wieder eine eigene Identität geben wollen und dies muss gelingen. Nur wenn ein Opel einen eigenen Charakter und Markenkern hat, haben sie eine Chance. Nicht als umgelabelte Koreaner oder Franzosen.
Was hat denn GM mit Opel gemacht? Erst den Motorsport eingestampft, dann die sportlichen Modelle gestrichen und währenddessen immer mehr Koreaner oder Fiat oder Renault umgelabelt. So war der sichere Weg des Niedergangs von Opel vorgezeichnet.
Schau dir die Steuerverschwendung an, schau dir die Wirtschaftsgeschichte der DDR an, ... .
Wenn Politiker sich zu sehr in die Wirtschaft einmischen geht alles vor die Hunde.
Das dürfte das Interessanteste an der Geschichte werden.
Für Komfort gibt es DS, für Sport gibt es Peugeot, Citroen für Extravaganz. Im Grunde ist Opel die vierte Pelle am Dreirad. Wo PSA Opel da unterbringen wird, wird echt spannend.
Ich glaube Opel wäre aktuell glücklich, wenn sie in der Weltspitze stehen würden und enorm viele Erfindungen ihr Eigen nennen dürften, für die andere Firmen noch Jahre brauchen.